Der olympische Gedanke …

 

… ist eines der Leitmotive für die Teilnahme einer Mannschaft des Itzehoer Schachvereins an der Landesmannschaftsmeisterschaft im Blitzschach in Bargteheide.

Elf Teams fühlen sich berufen oder haben an diesem Nachmittag vielleicht einfach nirgends sonst ein warmes Plätzchen oder aufregende Beschäftigung gefunden. Itzehoe nimmt mit einer durch mich gepimpten Bezirksklassenmannschaft teil und sieht sich gleich als der Underdog und Punktelieferant auserkoren. Dem am nächsten kommen noch die Verbandsligateams aus Mölln und Husum, die ab sofort unseren Horizont bilden. Auch vom Lübecker SV sind in zwei Mannschaften wohl hauptsächlich Verbandsligaspieler dabei, doch die vielen schnellen Jugendlichen verzerren das Bild etwas. Da können wir nicht mithalten.

Natürlich nehmen auch die besseren Ensembles teil, die, die sich etwas ausrechnen oder jene, die den wirklich Guten wenigstens in die Parade fahren möchten. Da sind die Landesligisten aus Elmshorn und der Veranstalter aus Bargteheide. An dieser Stelle möchte ich nicht versäumen, unseren Gastgebern für die souverän gehandhabte und jederzeit harmonische Veranstaltung zu danken.

Die Oberliga ist mit Turm Kiel und Schwarzenbek vertreten, die Bundesliga zweitens mit Preetz und erstens mit Norderstedt.

Der Erstligist kann sich ganz überlegen durchsetzen vor den Gastgebern, die mit den Krause-Brüdern an den vorderen Brettern noch am längsten in der Lage sind mit zu halten. Den Bronzeplatz erreicht die Truppe aus Preetz mit dem früheren Itzehoer Giso Jahncke.

Dies ist jetzt nach geschätzten 25 Jahren das erste Blitzturnier, an dem ich wieder teilnehme. Hätte ich vorher gewusst, das es doch 22 Runden mit 20 Partien werden würden, ich denke, dann hätte ich mir das Mitmachen wahrscheinlich noch mal überlegt. Andererseits ist es natürlich auch eine interessante Beobachtung, was sich in  so langer Zeit nach meinem Empfinden verändert hat oder was auch geblieben ist. Die Konstanz ist wie mir scheint Ede Stomprowski, der wie früher schon die Teams aus Lübeck begleitet. Als Veränderung nehme ich eine deutlich geringere Aggressivität wahr. Der Umgang mit dem Gegner ist durch die Bank fair und respektvoll und eine Remisstellung ist dann eben auch remis. Zeitspiel kommt viel seltener vor, was den Digitaluhren geschuldet sein mag, die die Chancen und Risiken auf die Sekunde genau anzeigen.

Was die Ergebnisse angeht holen wir immerhin drei Mannschaftspunkte, leider nicht den von Ernst-Holger angestrebten Skalp eines der Großen. Bei den Partien halten sich Highlights und Verschweigenswertes in etwa die Waage. Cliff muss in seiner ersten Partie gleich mit Schwarz gegen IM Kopylov antreten und lässt sich leider in einem Endspiel mit Springer gegen Läufer bei jeweils sechs Bauern noch aushebeln und das eigentlich verdiente Remis abluchsen. Dafür verschenkt er auch einen Mannschaftspunkt, als er gegen Sabrina Schlüter mit 3 Minuten gegen 2 Sekunden ein Remis akzeptiert, nur weil er seine Dame einstellt. Alexey kommt nicht in den richtigen Rhythmus und verschenkt einige halbe Punkte, weil er unbedingt gewinnen möchte. Ernst-Holger hat in der Rückrunde konditionelle Probleme, doch es gibt ja ohnehin keinen Seniorenpreis zu gewinnen.

In der letzten Runde verliert Cliff gegen Jörg Zeller zügig fast alle Machtmittel und schließlich den König. Mir fällt daraufhin nur Jörgs alter Kampfname „Häuptling schnelle Hand“ ein, den er seit den Tagen trägt, als er etwa so alt war, wie die Brüder Kololli heute. Als kleine Anekdote am Rande: im Jahr 1974 fand anlässlich der Landesmeisterschaften in Holm auch das Jugendblitzturnier statt. Jörg Zeller hatte mit Weiß gegen Walter Struve anzutreten und war so aufgeputscht, dass er sofort die Uhr drückte. Struve zuckte die Schultern und begann nun als Schwarzer die Partie: 1. e7-e5! - damals gab es eben noch richtiges Wild-West-Schach.

In diesen Tagen ist die Teilnehmerzahl leider weiterhin ein Problem, obwohl sie sich im Verhältnis zum Vorjahr sogar nahezu verdoppelt. Die Funktionsträger im Landesverband bleiben aufgefordert zu prüfen, was getan werden kann, um auch den Mannschaften, die realistischweise nicht um den Gesamtsieg spielen, die Teilnahme nahe zu legen. Vielleicht sind Ratingpreise analog zu den Einzelturnieren ein Ausweg.

 

Hans-Joachim Siewert