Sensation beim Stadtpokal im Schach. Völlig überraschend verlor der bisher souverän führende Dirk Martens aus Hademarschen. Sein Gegner, Wolfgang Schlünz (Wrist - Kellinghusen), hatte dabei noch den Nachteil, mit den schwarzen Figuren spielen zu müssen. Trotzdem schaffte es Schlünz, seinen Gegner immer wieder vor neue Denkaufgaben zu stellen und so rann die Zeit von Martens immer weiter von dannen. Im Endspiel hatte jeder noch einen Turm und zwei Bauern. Die Bauern von Schlünz waren aber besser postiert und als Schlünz dann auch noch einen Bauern in der Zeitnotphase gewinnen konnte, war das Spiel für Martens verloren. Wolfgang Schlünz schloss damit zum Spitzenreiter auf und auch Frank Hamann hatte jetzt wieder Chancen, seinen Titel noch zu verteidigen. Gegen den wertungsmäßig schlechter stehenden Dirk Clausen (Hademarschen) reichte es aber nur zu einem remis, so daß Hamann nicht ganz zur Spitze aufrücken konnte. Dr. Carsten Coldewey (Kollmar) konnte durch einen Sieg gegen Volker Recklies (Büsum) Anschluß zur Spitzengruppe halten. Als derzeit bester Itzehoer konnte Sören Koch durch seinen Sieg gegen Burkhard Lewke (Meldorf) ebenfalls Anschluß zur Spitzengruppe erreichen. Im Mittelfeld schaffte Volker Brandt (Brokdorf) eine Sensation. Er schlug den wesentlich stärker eingeschätzten Hendrik Niemöller (Hademarschen). Überraschend war auch das remis von Karina Off (Meldorf) gegen Timo Bücker und als sensationell darf man auch das remis von unserem Itzehoer Jugendlichen, Cliff Ruhland (15 Jahre), bezeichnen, der gegen Jens Bartels (Hohenlockstedt) zu spielen hatte. Die Kenner meinten sogar, daß Cliff auf Sieg gestanden hätte. An der Spitze kommt es am nächsten Donnerstag in der siebenten und letzten Runde zu folgenden Paarungen: Koch gegen Martens, Schlünz gegen Clausen,  Hamann gegen Horst Klüver (Itzehoe) und Dr. Carsten Coldewey (Kollmar) gegen Egbert Hengst (Itzehoe). Als Berichterstatter würde ich (Horst Klüver) jetzt auf einen Sieg von Wolfgang Schlünz tippen.

 

Horst Klüver

 

 

 

Stadtpokal – sechste Runde

 

An den vorderen Tischen spielt Hademarschen gegen Wrist. In der Partie Martens gegen Schlünz kommt Schwarz gut aus der Eröffnung, ist aber sehr vorsichtig und wickelt in ein remisträchtiges Turmendspiel ab. Hier übernimmt Dirk Martens wieder die Partieführung und drängt seinen Gegner zurück. Auf Nachfrage erfahre ich, dass ein spannendes und technisch interessantes Ringen auf dem Brett stattfindet, in dem sich Weiß unter Zeitdruck mehrere Ungenauigkeiten leistet, die von Wolfgang Schlünz sehr gut ausgenutzt und zum Sieg verdichtet werden.

In der Begegnung Dirk Clausen gegen Frank Hamann baut sich der Anziehende eine Stellung mit schönen Perspektiven auf. Mit dem Läuferpaar gegen zwei Springer wird der Vorteil auch handfest. Aber dann verflüchtigt sich erst das Läuferpaar und dann auch der Siegeswille. Schwarz kann ins Remis entkommen.

Burkhard Lewke versucht gegen Sören Koch eine Art Stonewall im Anzug, doch Schwarz passt am Königsflügel gut auf und übernimmt am Damenflügel schnell die Initiative. Als Weiß seine Angriffsbemühungen unbotmäßig verstärkt kann Schwarz den schwachen Bauern auf e3 erobern. Die so erreichte Gewinnstellung bringt Koch mit sauberer Technik nach Hause.

Volker Recklies baut sich gegen Carsten Coldewey sehr kompakt und abwartend auf, so dass Schwarz überhaupt keinen Ansatz für offensive Aktionen findet. Die Partie gleitet ohne die Remisbreite zu überschreiten ins Endspiel und just hier gelingt es Coldewey mit einem taktischen Trick eine Figur und damit die Partie zu gewinnen.

Karina Off spielt gegen Timo Bücker und in den ersten zwei Stunden vermeiden beide Seiten konsequent das Überschreiten der Mittellinie. Unter zunehmendem Zeitdruck startet Weiß einen recht gefährlich aussehenden Angriff auf den schwarzen König. Bücker bietet in bereits heftiger Zeitnot Remis an, was aber abgelehnt wird, da Weiß vermeintlich einen Gewinnzug besitzt. Das erweist sich als Täuschung und so geht es in einem Turmendspiel munter weiter. Ungewöhnlich: ich sehe beide Kontrahenten während der noch laufenden Partie bei einer Entspannungszigarette über die gerade zurück liegende, aufregende Zeitnotphase diskutieren. Am Ende war es dann doch remis.

Hendrik Niemöller hat in einem Damenendspiel einen Mehrbauern - nur dass er gar keine Dame mehr, sein Gegner jedoch dafür deren zwei besitzt. Die Partie endet entsprechend.

Egbert Hengst, der zur vorherigen Runde krankheitsbedingt nicht antreten konnte, hat gegen Erich Jasper schnell einen Positionsvorteil erreicht, den er später taktisch in eine materielle Überlegenheit verwandeln kann. Diesen Vorteil führt er dann sicher zum Gewinn.

Alexey Skrypkin baut sich mit den weißen Figuren eine Stellung mit Raumvorteil auf und beginnt eine lang anhaltende Initiative am Königsflügel, für deren Verstärkung er auch noch einen Bauern opfert. Sein Gegner ist aber sehr erfahren und heißt Haase und Alexei muß irgendwann den Angriff abbrechen und eine Position mit Bauernnachteil verteidigen, was ihm nicht gelingt.

Cliff Ruhland hat jetzt gelernt, dass man nicht zur Belustigung das Wort „Remis“ im Munde führen sollte, wenn man eine klare Gewinnstellung besitzt. Philosophische Betrachtungen zur Partie können nach Beendigung derselben noch zu Hauf angestellt werden.

Von außen betrachtet hatte die Partie Frank Tiemann gegen Bernd Schacht einiges von Mikado: Wer sich bewegt verliert und daher passiert auch genau genommen nicht viel. Die Partieanlage ist beiderseits von Vorsicht gekennzeichnet und so ergibt sich eben ein entschiedenes Unentschieden.

Stefan Fuhrmann hat anscheinend Blut geleckt. Gegen Ulf zum Felde reitet er erneut eine heftige Königsattacke. Schwarz hatte eben noch das Zentrum schön kontrolliert, als ihn die weiße Aggression zu überstürztem Handeln bewegt. Aber dann wird der Angriff leicht übermächtig.

Hartmut Bräuer kann gegen Rolf Meier eine schöne Angriffsstellung mit einer Abwicklung aus dem Lehrbuch krönen und sich den Sieg sichern.

Simone Bücker liefert sich eine zähe Partie mit Peter Henke, die erst kurz vor der Zeitkontrolle Fahrt aufnimmt. Im Zuge der Verwicklungen erobert Schwarz einen Turm für einen Springer, muss seiner Gegnerin aber einen gefährlichen Freibauern überlassen, der ihr letztlich die Punkteteilung sichert.

 

Damit ist vor der abschließenden siebten Runde doch noch nichts entschieden. Die drei Erstplatzierten müssen ihre Partien auf Gewinn anlegen und gleichzeitig die Konkurrenz ständig im Auge behalten. Einen leichten Vorteil hat Dirk Martens noch, aber mit Sören Koch womöglich auch den schwierigsten Gegner.

 

Hans-Joachim Siewert