Dirk Martens (Hademarschen) neuer Sieger beim Itzehoer Stadtpokal im Schach. Spannende Kämpfe bis zum Schluß lieferten sich die Anwärter auf den Pokal. An Brett 1 saßen sich Sören Koch (Itzehoe) und Dirk Martens gegenüber. Koch trug einen sehenswerten Angriff vor, der sehr vielversprechend wirkte. Derweil saßen sich an Brett 2 Wolfgang Schlünz (Kellinghusen) und Dirk Clausen (Hademarschen) gegenüber und Clausen machte dem heimlichen Anwärter auf den Titel das Leben schwer. An Brett 3 hatte Titelverteidiger Frank Hamann (Kellinghusen) auch noch die theoretische Chance den Titel zu verteidigen. Gegen Horst Klüver (Itzehoe) gelang ihm frühzeitig ein Bauerngewinn, der dann auch im Endspiel zum Gewinn umgemünzt werden konnte. Wolfgang Schlünz hatte zwischenzeitlich Vorteile gegen seinen Gegner erlangen können, die zum Sieg führten. An Brett 1 war in der Zwischenzeit aus dem vermeintlichen Vorteil für Sören Koch ein Nachteil geworden und es dauerte nicht lange, daß Koch aufgeben mußte. Somit waren in der Endabrechnung Martens und Schlünz mit 6 Punkten an der Spitze. Entscheidend für Platz 1 waren jetzt die Einzelergebnisse der Spieler und hier hatte Martens knapp die Nase vorn. Mit 5,5 Punkten folgt Titelverteidiger Frank Hamann auf Platz 3. Ein sensationelles Spiel gab es zwischen Hendrik Niemöller (Hademarschen) und Burkhard Lewke (Meldorf). Mehrfach wurden remis abelehnt und so ging es in die Endspurtphase mit Blitzschach. Die ganze Zeit hatte Niemöller die besseren Karten - vor allem wegen seines immensen Zeitvorsprungs. Niemöller machte dann aber Patzer nach Patzer, kam ins Grübeln, verlor Zeit und dadurch noch das Spiel durch Zeitüberschreitung. Lewke hatte zu diesem Zeitpunkt auch nur noch 16 Sekunden auf der Uhr stehen. Nichts für schwache Nerven so ein Spiel. Lewke kam durch diesen Sieg und durch bessere Wertung mit 4,5 Punkten auf den 4. Platz.  Bester Itzehoer wurde noch Egbert Hengst, der kampflos gegen Dr. Carsten Coldewey (Kollmar /beruflich verhindert) gewinnen konnte und somit auf 4,5 Punkte kam. Sören Koch und Horst Klüver kamen auf jeweils 4. Für eine weitere Überraschung sorgte der Itzehoer Jugendliche Cliff Ruhland, der den erfahrenen Alexey Skrypkin (Itzehoe) schlagen konnte.

Auf dem Bild im Vordergrund links: Wolfgang Schlünz gegen Dirk Clausen. Dahinter Sören Koch gegen Dirk Martens

 

Horst Klüver

 

 

 

 

 

Dirk Martens gewinnt Itzehoer Stadtpokal 2011

 

Da ich spielfrei war, konnte ich recht detailliert die einzelnen Partien der letzten Runde verfolgen, was durchaus eine Freude war – kein einziges Kurzremis; es wurde hart um den letzten Punkt gekämpft.

 

Rolf Meier hatte gegen Simone Bücker nur scheinbar Raumgewinn am Damenflügel im frühen Partiestadium errungen; die Bauernkette wurde gesprengt, Simone gewann einen Bauern, Rolfs Bemühungen, am Königsflügel anzugreifen, wurden zurückgewiesen. Nach und nach drückte Simone Bücker den materiellen Vorteil durch und gewann sicher.

 

Hartmut Bräuer hatte gegen Stefan Fuhrmann eine überragende Angriffsstellung, ließ den Gewinn aber liegen, auch wenn ich nicht gesehen habe, wo. Im Endspiel war es dann schwierig umzuschalten; Stefans Freibauer wurde übermächtig und sicherte ihm den glücklichen Punkt.

 

Cliff Ruhland gegen Alexey Skrypkin, eine interessante Begegnung zweier Itzehoer Shooting-Stars. Nach einer Nachlässigkeit Alexeys in der Eröffnung gewann Cliff einen Bauern. Danach bemühte sich Alexey um Kompensation, aber Cliff gelang es, die aktiven gegnerischen Figuren abzutauschen. Im Endspiel waren es schnell zwei Mehrbauern, dann gewann Cliff noch eine Figur und brachte den Punkt sicher nach Hause.

 

Bei Erich Jasper gegen Frank Tiemann wogte das Schlachtenglück hin und her. Letztlich konnte Frank seinen eigenen König stabilisieren, Erich Jasper einen schwachen Bauern verpassen, an dessen Verteidigung fast alle schwarzen Figuren gebunden waren. Als Jasper zum Gegenangriff ansetzte mit zwei Schwerfiguren auf der letzten Reihe, wurde er kurz und trocken von Frank matt gesetzt.

 

Bei der Paarung Bernd Schacht gegen Volker Recklies würde man nicht unbedingt erwarten, was hier an permanenten Schlagmöglichkeiten drin war. Nachdem Volker das Spiel verschärfte, verlor er einen Bauern im Zentrum. Bald entwickelte er aber eine starke Initiative, die ihm zunächst das Läuferpaar einbrachte, dann eine sehr aktive Turmstellung und schlussendlich ein Dauerschach, dem beide wohl nicht entfliehen konnten. Remis, aber keineswegs langweilig – ausgekämpft in jedem Fall.

 

Jens Bartels und Kalle Schmidt entwickelten beide munter ihre Figuren, das Zentrum war offen, Jens gewann mit einer kleinen Kombination einen Bauern. Rochiert hatte noch keiner; als Kalle dies zuerst tat und den Bauern zurück gewann, war es dann auch schon sehr ausgeglichen – remis.

 

Bei Hendrik Niemöller gegen Burkhard Lewke habe ich mehrfach meine vorherige Einschätzung korrigieren müssen. Zuerst opferte Hendrik einen wichtigen Bauern auf der b-Linie; Burkhard musste aber mit der Dame schleunigst zurück, um Hendrik kampflos die b-Linie zu überlassen. Bei meinem nächsten Besuch hatte aber wieder Burkhard die Linie mit beiden Türmen, die vorher noch unentwickelt waren – dafür hatte Hendrik aber seinen Bauer  wieder. Schon hier war die Partie dramatisch, nach Burkhards 30. Zug hatte er noch drei Sekunden…seine Aktivität schlug aber nicht durch, nach und nach wurden die Schwerfiguren getauscht. Hendriks Läufer war dem schwarzen Springer klar überlegen, dazu hatte er einen Zeitvorteil von etwa neun gegen drei Minuten. Aber Hendrik fand es nicht, der Läufer verlief sich, der Springer lebte auf und verspeiste gierig die weißen verwaisten Bauern im Zentrum, der Zeitvorteil ging dahin, und am Ende gewann Burkhard in klarer Gewinnstellung auf Zeit. Die Partie, die zuletzt lief, das letzte offizielle Wort sozusagen: ‚Zeit’

 

Die Partie Erich Haases gegen Karina Off hatte ebenfalls einiges zu bieten, beide gingen aktiv und mutig zu Werke… schönes Schach. Karina gewann eine Qualität, allerlei Figuren (auch die Damen) wurden getauscht, so dass der volle Punkt nahe schien. Aber die Zeit war ein Problem. Nach einem weiteren Tausch gewann Erich einen wichtigen Bauern, in hoher Zeitnot Karinas noch eine Figur und trampelte danach mit seinem gewaltigen Bauernzentrum los. Das baldige Matt vor Augen gab Karina Off auf, trotzdem gut gespielt von ihr. Hut ab vor Erich – ein wahres Kämpferherz.

 

Die Stellung der Partie Timo Bücker gegen Volker Brandt war für mich bereits nach dem ersten Zug Neuland, und so ein paar Eröffnungen kenne ich schon. Hier war langes Abtasten die Folge. Timo ergriff dann die Initiative, gewann zwei Bauern, so dass Volker mit seinem König zur anderen Seite auswandern musste. Aber Timos Druck wurde stärker und stärker, die Barriere der schwarzen Springer wurde gebrochen. Am Ende schien das sicher herausgespielt. Die kreativste Eröffnungsbehandlung hat wohl wiederum Volker Brandt gezeigt.

 

Vorjahressieger Frank Hamann hatte noch Chancen auf den Turniersieg, aber beide vor ihm mussten Federn lassen und er musste vorher selbst gegen Horst Klüver gewinnen. Und Horst hat bereits zwei deutlich höher eingestuften Gegnern ein remis abgetrotzt (zu meinem Leidwesen war ich auch dabei). Frank gewann mit einer kleinen Kombination einen Bauern, aber sein Leben hing danach am seidenen Faden… oder hat Frank das alles durchgerechnet?! Horst kam zu einem sehr bedrohlichen Anstieg der Aktivität seiner Kräfte, musste dann aber doch umkehren… extrem knapp nach meinem Eindruck. Frank brachte seine Truppen ins Spiel, ging vor, kam zu weiteren Abtäuschen, und es entstand auch hier ein Endspiel Läufer mit Mehrbauer gegen Springer. Nachdem dann ein weiterer Bauer fiel, weil der Druck durch den Freibauern zu groß wurde, gab Horst auf – keinesfalls über den Haufen gespielt. Von Frank sehr kaltblütig vorgetragen, eine spannende Partie.

 

Wolfgang Schlünz war vermutlich der Wettfavorit auf den Turniersieg, hatte er doch gegenüber Dirk Martens den vermeintlich etwas leichteren Gegner. Dirk Clausen ließ sich aber nicht lumpen, und suchte Gegenspiel bei verschiedenen Rochaden. Allerdings musste er Bauer und Qualität geben, um seine Chancen zu wahren. Wolfgang wehrte die Angriffe recht sicher ab, auch wenn ich mehrfach dachte: „okay, das hätte ich nicht gespielt, könnte aber auch funktionieren“. Nach und nach verschwanden die Schwindelchancen von Dirk, und Wolfgang brachte seinen materiellen Vorteil durch… aus seiner Sicht war die Pflicht erfüllt.

 

Brett 1 also: Sören Koch gegen Dirk Martens. Wie bei mehreren anderen Partien wurde es urplötzlich heiß, weiße und schwarze Bauern standen sich auf den Feldern e/f 4/5 gegenüber mit einigen Schlagmöglichkeiten. Ich hatte den Eindruck, Sören würde etwas besser stehen, aber seine Zeit war schon sehr zusammengeschmolzen, und ein weiter Ausritt seiner Dame verlor einen wichtigen Bauern. Sörens Angriff schien sehr gefährlich, aber nach einem Fehler und einem Zwischenschach durch Dirks Dame war’s passiert: Springerverlust ohne jede Kompensation, Aufgabe Sören. Furztrocken gespielt von Dirk, Punkt eingesammelt.

 

Und so heißt der Sieger des Itzehoer Stadtpokals 2011 verdient: Dirk Martens. Herzlichen Glückwunsch, Dirk! Wolfgang Schlünz ebenfalls verdient Zweiter, mit einer überragenden Partie in der 6. Runde mit schwarz gegen den Turniersieger gewonnen. Frank Hamann nur knapp dahinter dritter, auch eine sehr starke Leistung. Auf diese drei will mich hier beschränken, es gäbe noch sehr viel Positives zu erwähnen, aber das würde den Rahmen vollends sprengen.

 

Es war ein Turnier, das uns Itzehoer Gastgebern viel Freude bereitet hat. Es gab fast ausschließlich fröhliche Gesichter zu sehen, anscheinend hat es allen Spaß gemacht. Was mir auffiel, war die große Bereitschaft, unklare oder ausgeglichene Stellungen weiterzuspielen, so soll das ein. Ich bin selbst gespannt, wer von der Turnierleitung zum kämpferischsten Spieler gekürt wird, mir würden bestimmt zehn Namen einfallen.

 

Ich hoffe, wir sehen uns nächste Woche zur Siegerehrung und Blitzturnier, und dann nächstes Jahr. Es gibt dann einen neuen Namen für das Turnier: Itzehoer Stadtpokal 2012

 

Egbert Hengst