Heinz-George-Pokal Runde 7 - Showdown im Abendgrauen

Letzte Runde, es kommen noch theoretisch vier Spieler für den Gesamtsieg in Frage: Dirk und ich mit fünf Punkten, Sören und Sven mit einem halben weniger. Von der Buchholzzahl ist Sören vor mir und Dirk, Sven klar abgeschlagen, so dass seine Turniersieg-Chancen nahe null sind.

Ich habe schon einige mal gegen Dirk gespielt, er liegt mir nicht besonders. Darüber hinaus sind knapp 80 DWZ-Punkte Unterschied durchaus spürbar. Also ist Dirk in unserer Partie Favorit. Und wie geht man das an? Würde ein remis reichen, ist die Frage. Da ich im Haus-Drauf-Stil gegen Dirk immer gescheitert war, erst mal ruhig angehen. Dirk macht schnell Druck.

Mittlerweile ist Sven gegen Sören im Angriff, die Schwerfiguren sammeln sich auf der h-Linie, Bauern vor, Sörens Zeit schrumpft. Ein Sieg von ihm erscheint sehr unwahrscheinlich. Insbesondere auch, da Sven, wenn er in seinem Angriffsmodus ist, zur Zeit kaum zu stoppen ist.

Recht früh gewann Olaf Lubenow gegen Jens Bartels, und Dirk Clausen gegen Cliff Ruhland, der etwas sorglos mit seinen Felderschwächen umgegangen war.

In meiner Partie bekomme ich das Läuferpaar, stemme mich im Zentrum entgegen. Dirk könnte es jederzeit öffnen, aber dann werden meine Läufer zu stark. Ich drücke und schiebe am Damenflügel, auch hier würde jede Öffnung mir zum Vorteil gereichen. Da ich aber auch nicht selbst die Stellung aufbrechen kann, biete ich remis an. Dirk verbraucht die Hälfte seiner Rest-Bedenkzeit und nimmt an. Er war derselben Meinung wie ich - jede Öffnung durch ihn birgt immenses Risiko.

Nun schauen wir an die anderen Bretter, denn es geht um Buchholz. Und in der Tat waren dann nahezu alle Partien spannend.

Arno und Peter Henke spielen remis, am Schluss entstand eine Stellung, die völlig symmetrisch war. Vorher schien mir Arno Chancen gehabt zu haben,

Martin Kruse verdichtet gegen Kalle den Figurendruck mehr und mehr, dringt mit beiden Türmen auf die siebte Reihe ein, der zu Hilfe eilende Springer erzwingt das Matt. Martin kommentiert : 'Glück gehabt', ich finde das nicht. Gutes Manövrieren und Anhäufung kleiner Vorteile mit dem Resultat Königsangriff ist kein Glück.

Die letzten Partien enden in einem einzigen Blutbad.

Volker Recklies gewinnt gegen Sascha Abel die Oberhand in einer Stellung, in der allerlei hängt und diverse Fesselungen und Doppelangriffe zu sehen waren. Für mich unvermittelt hat Volker plötzlich einen ganzen Turm mehr, und gewinnt.

Burkhard Lewke verliert in klarer Gewinnstellung gegen Alexey die Übersicht, gibt seine Mehrfigur völlig unnötig zurück, und findet sich in einem verlorenen Bauerendspiel wieder.

In der letzten Partie des Turniers bahnt sich wie im Vorjahr ein Drama an. Stefan manövriert gegen Carsten Coldewey recht unorthodox, gewinnt dann allerdings mit einer kleinen Kombi einen Bauern, der in einem Damenendspiel zu einer glasklaren Gewinnstellung führt. Nun geht es noch um das wie. Stefan beordert seinen König zur Unterstützung herbei, Carsten wird zu Schachs gezwungen, nistet sich hinter Stefans König ein, und als der den Freibauen vorwärts bewegt, erzwingt Carsten Dauerschach. Das will Stefan nicht wahrhaben, psychologisch unangenehm. Also Dame dazwischen ziehen... und aus. Stefans König wird nun von Carstens Bauern mit Schachs belegt, die ihn von seiner Dame wegtreiben, und verliert die stolze Herrin, und das Spiel. Sehr unglücklich für Stefan, die Partie hat er sehr gut gespielt.

Im Endergebnis sind Dirk, Sven und ich punktgleich, und da ich die beste Buchholz-Zahl habe, habe ich das Turnier gewonnen. Einige schwierige Spiele hatte ich, und gegen Olaf Lubenow pures Glück.

Ich möchte der Turnierleitung danken, die für einen weitestgehend störungsfreien Ablauf gesorgt hat, und das trotz mancher Unbilden.

Ein besonderer Dank geht auch an da Schiedsgericht (Dirk, Burkhard und Erich). Es wurde früh im Turnier in Anspruch genommen, aber es herrschte Einigkeit darüber, dass das eher aus Unsicherheit geschah als aus Krawall-Absichten. Ich denke, diese Institution hat sich bewährt und sollte beibehalten werden.

Ein Riesenturnier endet, manche meinten, viel zu früh. Es steht zu hoffen, dass sich das Turnier weiter etabliert, und wir im nächsten Jahr erneut ein so schönes haben werden, beim dann zweiten Heinz-George-Pokal der Stadt Itzehoe.

Egbert Hengst