Heinz-George-Pokal Runde 4: geiles grausames Schach

Schon am Morgen fiel wohl die Entscheidung im WM-Kampf, als Anand heftig angriff, und dann nach einem Fehler sofort das zeitliche segnen musste. Am Abend gab es weniger Qualität, aber auch sehr rassige Partien, mit gleich mehreren Dramen.

Der Esel nennt sich selbst zuerst... aber ich war nun mal deutlich am schnellsten fertig. Eine forsche Variante, ein kleiner Stellungsfehler von Carsten, der einen Bauern gab, um nicht eine Qualle zu verlieren. Ich kam obendrein zu sehr aktiven Spiel, und drohte seine Figuren zurückzudrängen. Etwas wandern und dem Treiben an den anderen Spielstätten beiwohnen... Carsten kam auf mich zu und gab auf. Er hatte eine Figur eingestellt. Sehr fair von ihm, nicht den Zug zurück zu nehmen - es hätte keiner bemerkt. Hut ab vor soviel Sportsgeist, nach so wenigen Zügen die Niederlage ohne Murren zu quittieren.

Cliff kommt auf mich zu, remis gegen Alexey. Er hätte etwas übersehen, und von daher... Alexey zuckt mit den Schultern, nicht recht wissend, ob er froh über das remis gegen Cliff sein soll oder betrübt, nicht gewonnen zu haben. In der Retroanalyse sieht es für mich so aus, als ob Alexey klaren Vorteil hätte haben können.

Dirk Clausen attackierte früh Peter Henke, der allerdings nicht zurückschreckte. Es gab eine ganze Weile nur aktive Züge mit Drohungen hüben und drüben. Dann arrangierte Peter eine Gabel, die ihn allerdings gleich zwei Figuren und die Partie kostete.

Giso griff Sven an, der sich aber auch nicht lumpen ließ - bloß nicht passiv werden. Gesunde Entwicklung? Fehlanzeige auf beiden Seiten. Angreifen mit den wenigen Figuren, die schon entwickelt sind. Sven bedrohte den Eckpfeiler von Gisos Königsstellung im Zentrum. Gisos Reaktion: mach doch, ich hetzte Dir Dame und beide Springer auf den Hals. Sven schnappte zu, und wurde kurz darauf matt gesetzt. Und doch schien er nicht unzufrieden hinterher - es war eine tolle Partie!

Peter Magdorf provozierte recht früh mit einem frechen Springerausflug Volker Recklies. Der zerstörte indes das Bauerngerüst von Peter, eroberte Qualle und Bauer, kam ins Endspiel, stand mit einem gedeckten Turm auf der siebten Reihe, und kam sogar zum matt, als Peter immer weiter zurückstecken musste. Damit hat Volker zwei aus drei gegen die besser eingestuften Sven, Peter und mich. Klasse Zwischenbilanz!

Kalle gegen Jens. Richtig, Kalle rochiert nicht. Richtig, Jens rochiert nicht. Es wird ein schwer durchschaubares Spiel, in dem beide deutliche Vorteile haben: Kalle klaren Druck gegen Jens unterentwickelte Königsstellung, Jens einen Freibauern auf der zweiten Reihe. Als aber nach einigen Tauschen Kalle diesen Bauer erobert, ist es sofort aus.

Michael Tokarski griff Karina an, allerdings hatte die mehr vom Zentrum und das Läuferpaar. Macht nix, vorwärts! Mattdrohungen in Sicht... Aus ist es, als Michael in eine Fesselung gerät, die ihn eine Figur und die Partie kostet.

Erich gegen Rolf, beide greifen an. Erich droht Materialgewinn; Rolf akzeptiert, bleibt im Angriff. Mit Minus-Qualle geht er auf Erichs König los, und bindet dort soviel Schwerfiguren, dass Erich zur passiven Verteidigung gezwungen ist und remis anbietet, was Rolf annimmt.

Zeitnot bei Dirk Martens gegen Sören. Sören hat den Eckpfeiler seiner Königsstellung verloren, steht dort kurz vor dem matt. Dazu etwa drei Minuten für zehn Züge - weia. Dirk findet kein matt, erobert statt dessen gleich zwei Bauern am Damenflügel, hat damit nun drei mehr. Sören schafft die Zeitkontrolle und lebt gerade noch so eben, mehr nicht.

Eine zumindest für diesen Tag vergleichsweise ruhige Partie spielen Martin und Malte. Malte macht früh einen Zug, der eigentlich nicht in die Eröffnung passt, und wird dann in eine passive Stellung gedrängt. Stark dann von ihm, dass er nach und nach die weiße Initiative eindämmt und zum Friedensschluss kommt.

Auch Stefan und Eckhard Klütz schenken sich nichts. Mir scheint Eckhard etwas in Vorteil mit seinem starken Freibauer gegen Stefans latente Drohungen gegen seinen König, aber die Partie verflacht, nachdem beide die gegnerischen Potentiale entkräften, in ein ausgeglichenes Turmendspiel, das dann auch remis wird.

Burkhard hat gegen Horst einen Bauern gewonnen, und kommt im Turmendspiel voran. Er dringt mit seinem Turm ein, und gewinnt einen weiteren Bauern. Horst ist gezwungen, hart anzugreifen, und bedrängt Burkhards König. Am Ende sieht sich Burkhard gezwungen Dauerschach zu geben, oder aber Dauerschach von Horst zuzulassen. Logisches Ergebnis: remis.

Zeitnot Teil zwei: Sören lebt immer noch, hat mittlerweile sogar die bessere Zeit, dazu einen Zentralbauern gewonnen. Dirk hat es versäumt, dem Treiben ein Ende zu machen. Sörens Dame wandert von Brettrand zu Brettrand und steht plötzlich bereit, dem weißen König ein heftiges Ende zu bereiten. Dirk opfert noch eine Qualle, was aber nur kurz hilft. Sören setzt matt! Diese Partie hätte Dirk nie und nimmer verlieren dürfen. Schach kann so grausam sein... Aus Zuschauersicht muss ich sagen: geile Partien waren das.

In der Tabelle führen nun Giso und Sören, die auch schon gegeneinander gespielt haben. Dahinter mit einem halben Punkt zurück Malte, Volker und ich. Einen weiteren halben dahinter sind mit Dirk M, Martin und Dirk C drei Hademarscher, und mit Sven, Cliff, Kalle und Alexey vier Itzehoer.

 

Egbert Hengst