Heinz-George-Pokal 2015: Runde drei und vier

Runde zwei endete für mich unerwartet. Andreas neutralisierte zunächst Matthias Endspiel-Vorteil, um dann mit einer kleinen Kombi weiteres Material zu gewinnen. Im späten Endspiel liefen unaufhaltsam zwei Randbauern. Der Andreas-sche hatte indes Unterstützung von einem Springer, der ein Matt hätte erzwingen können, was ihm den Punkt einbrachte.

Runde drei stand an der Spitze im Zeichen von Begegnungen der Itzehoer untereinander. Cliff gegen Andreas, Sören gegen mich. Andreas baute sich recht unorthodox gegen Cliff auf... nicht unbedingt eine schlechte Idee gegen unseren sehr theoriesicheren Jungstar. Cliff hatte einen kleinen Vorteil im Endspiel. Irgendwie ging der aber fast an Andreas über, und man einigte sich auf remis. Sören und ich hatten eine Variante auf dem Brett, die wir schon einige male geblitzt hatten, sehr scharf, ganz nach meinem Geschmack. Es kam zu einem Einschlag in meine Königsstellung; einige Züge später hatte ich dann aber die offene Linie, und war siegessicher. Sörens Rochade riss mich aus allen Träumen; noch gerade so eben kam ich zu einem absolut erforderlichen Druckspiel gegen seine Bauern, ansonsten wäre sein Angriff bedrohlich gewesen. Im dynamischen Gleichgewicht nahm Sören mein remis-Angebot an. Vier Spieler, die gewinnen wollen, und dann werden es zwei remis...

Nicht unerwartet gewann Matthias gegen Alexej Litau, und bewegt sich näher an die Spitze heran. Henning unterlag Burkhard, der schneller beim Wettlauf gegen die Königsstellungen des Kontrahenten bei heterogenen Rochaden war. Karina verlor gegen Rolf, so ganz hat sie in diesem Turnier noch nicht zu ihrem Spiel gefunden. Jens hatte Ulrich früh Material abgenommen, da war das seltene Bild von zwei schwarzen Damen zu sehen. Eine davon musste sich gegen einen Turm opfern, aber der materielle Vorteil war immer noch immens, Jens gewann sicher. Bei Gerhard gegen Ulf gab es bereits anfangs recht viele Abtausche, zum Ende zeichnete sich der unentschiedene Ausgang immer mehr ab.

Bis zum Ende des Turniers können wir sicher sein, dass sich insbesondere an der Spitze spannende Begegnungen zutragen werden. In Runde vier hatte ich Cliff als Gegner. Bewusst baute ich mich sauber auf, Cliff brachte etwas Ungleichgewicht in die Stellung. Meine Entwicklung war einen Hauch besser, dafür hatte er etwas mehr Raum. Eine Damenflügeloperation von mir führte dazu, dass sich diese Unterschiede völlig aufhoben: kein Vorteil für eine Seite auszumachen, absolut symmetrische Bauernstellung - remis.

Ganz anders sah das bei Andreas gegen Sören aus. Andreas ging auf sehr breiter Front vor, hatte aber gleich zwei Löcher in seiner Bauernstellung. Das musste nicht zwingend entscheidend sein, es war aber recht verpflichtend. Und als Sören vorging, antwortete Andreas nicht adäquat, und musste einen Angriff gegen seinen König mit ansehen. Er schien es halten zu können, aber dann opferte Sören nacheinander einen Springer und einen Turm, und erzwang das matt. Hübsch!

Bei Burkhard gegen Matthias ging es ruhig zu, klares Zeichen: symmetrische Bauernstellung, mit latentem Druck von Matthias. Das Spiel kippte in seine Richtung, als Burkhard mit einem aktiven Läuferzug in die gegnerische Stellung einmarschierte. Der drohte dort allerdings gar nichts, sondern hinterließ auf seiner Farbe böse Schwächen im eigenen Lager. Kurz darauf lag schon ein Figurengewinn für Matthias in der Luft. Seine schwache Grundreihe und beginnende Zeitnot taten ihr übriges: Matthias gewann.

Erneut nahm Jens seinem Gegner früh Material ab; diesmal war Rolf der Leidtragende. Eine Weile versuchte er mit seinem Läuferpaar und einem weit vorgerückten Freibauern Kompensation zu erlangen, aber es reichte nicht: Jens gewann sicher. Alexej hatte etwas mehr Luft gegen Karina. Allerdings war ihre Stellung recht fest. Zum Ende setzte sich Alexej mit größerer Geduld durch; sein Schach wird immer stabiler.

Überraschend das frühe remis von Kalle gegen Ulrich - viel gesehen habe ich nicht. Ulf stand ganz brauchbar gegen Henning, versuchte dann lange Zeit, am Drücker zu bleiben. Indes wurde seine Rochade verhindert, und Henning nutzte den im Zentrum stecken gebliebenen König für einen direkten Angriff. Gerhard gewann gegen Silke, die anfangs gut stand und lange eine ausgeglichene Stellung hatte.

An der Spitze wird es enger: Cliff, Sören, Matthias und ich liegen mit drei Punkten vorn, nur einen halben Punkt dahinter lauern Andreas, Alexej und Jens. Recht hart verspricht der Kampf um den Rating-Preis zu werden: hier führen Alexej und Jens mit einem halben Punkt vor Henning und Rolf.

Für Spannung ist somit weiter gesorgt: die Begegnungen der fünften Runde an der Spitze: Cliff gegen Matthias, Jens gegen Sören und Andreas gegen mich.

 

Egbert Hengst