Heinz-George-Pokal 2015: Runde fünf

Langsam wird es Ernst - das Ziel ist bereits in Sichtweite. Man merkt das ganz gut daran, dass die Teilnehmer versuchen, aus der Buchholz-Wertung schlau zu werden.

Ulf scheint einer von der rachsüchtigen Sorte zu sein - okay, nennen wir es lernfähig. Exakt so, wie er zuletzt von Henning an der Rochade gehindert wurde, verhinderte er nun die Rochade von Silke. Kurz darauf hatte Ulf matt gesetzt, Silkes König waren die Felder ausgegangen.

Karina hatte gegen Kalle eine gute Stellung, dazu einen Mehrbauern. Bald hatte Kalle aber genug Druck, und kam zu sehr aktivem Spiel mit seinen Schwerfiguren. Ein Opfer in Karinas Rochadestellung schien mir nicht zu funktionieren, es reichte aber gerade noch zur Zugwiederholung.

Gerhard gab gegen Ulrich früh sein Läuferpaar ab, durchaus stellungsgerecht. Anschließend versäumte er es aber, sich im Kampf um die einzige offene Linie zu beteiligen. Hier fiel denn auch die Entscheidung zugunsten Ulrichs.

Rolf spielte recht aktiv gegen Burkhard. Allerdings kamen dabei zwei Bauern im Zentrum abhanden. Dort ging dann Burkhard vor, und gewann mit seinen starken Bauern klar.

Henning überließ Alexej zunächst das Zentrum, um sich dort später entgegen zu stemmen. Das Ergebnis war eine symmetrische Bauernstellung, die temporär sogar absolut identisch war. Allerdings hatte Henning einen guten Läufer, Alexej einen schlechten. Henning nutzte das sehr schön, bildete einen Freibauern und eroberte teilweise auch durch Zugzwang Material, und gewann die Partie.

Andreas wich sehr früh von seinen üblichen Eröffnungen gegen mich ab; ich nehme das mal als Kompliment. Er löste bald die Spannung im Zentrum, und verpasste mir einen Isolani. Statt diesen zu blockieren spielte er aktiv weiter, was allerdings durch den Vormarsch des Isolanis entkräftet wurde. Andreas Truppen waren vollständig auf dem Rückmarsch, zusätzlich kamen sehr unangenehme Fesselungen auf ihn zu. Es gelang mir aber nicht, diese Gewinnstellung zu nutzen; nach mehreren Fehlern von mir versandete das Spiel. Am Ende stand ein ausgeglichenes Endspiel, in dem wir beide mit dem unentschieden zufrieden waren.

Jens spielte recht mutig gegen Sören, und tauschte an einigen wichtigen Punkten. Auf der einzigen offenen Linie tauschten sich erwartungsgemäß alle Schwerfiguren ab, Sören behielt das Läuferpaar gegen Läufer und Springer. Es kam zu einer Veränderung der Situation, als beide einen Freibauern am Damenflügel erhielten. Die Zuschauer waren sich nicht ganz einig, wer hier besser stand, aber es war in jedem Falle zweischneidig, und Jens spielte sehr gut die Trümpfe seiner Position aus. Am Ende akzeptierte Sören das remis, mit vielleicht einem Hauch Vorteil, aber sehr wenig Zeit. Starke Leistung von Jens!

Cliff griff gegen Matthias heftig an; breite Offensive am Königsflügel. Als Matthias dort zurück weichen musste, ging Cliff auch am Damenflügel rigoros vor. Matthias klammerte sich an seine gesunde Bauernstruktur, gewann auch einen Bauern, musste dann aber den Verlust einer Figur zur Kenntnis nehmen, und gab bald darauf auf.

Im Kampf um den Ratingpreis haben Jens und Henning die besten Karten, Ulrich und Alexej sind in Lauerstellung. Im Ringen um den Turniersieg fiel heute mit Cliffs Sieg über Matthias eine wichtige Entscheidung: Matthias hat sich wohl verabschiedet, zumindest was den Kampf um den Mittelplatz auf dem Siegertreppchen angeht. Cliff führt mit einem halben Punkt vor Sören und mir. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der spätere Turniersieger aus dieser Gruppe stammen. Gute Chancen auf vordere Plätze haben auch Matthias, Andreas, Jens, Henning und Burkhard mit einem Punkt Rückstand auf den Platz an der Sonne. Von der zu erwartenden Begegnung Sören gegen Cliff wird vermutlich entscheidend abhängen, wer den schönen Pokal ergattern kann.

 

Egbert Hengst