Heinz-George-Pokal 2015: Runde sechs

Wir sind schon in der vorletzten Runde! Mann, ging das schnell... Heute war davon auszugehen, dass es einige Vorentscheidungen geben würde. Von friedfertiger Vorweihnachtsstimmung war nicht viel zu sehen, vielmehr gab es entschlossene Gesichter.

In einem reinen Damenduell gewann Karina gegen Silke. Silke verlor früh einen Bauern, bekam dafür aber Entwicklungsvorsprung und einigen Druck. Am Ende reichte das aber nicht. Gerhard gewann gegen Rolf, Alexej gegen Ulf. Ich kann zu diesen Partien nichts beauskunften; beide Partien waren recht schnell entschieden.

Am längsten saßen Kalle und Henning am Brett. Kalle griff wie gewohnt recht scharf an, Henning behielt aber kühlen Kopf, und seinen mächtigen Läufer. Im Endspiel hätte dann Kalle in Vorteil kommen können, indes verlor er eine Figur. Henning bildete einen Freibauern, und ging mit diesem unaufhaltsam vor - Punkt für ihn.

Auch recht lange mühte sich Burkhard gegen Ulrich. Ulrich pochte auf seinen besseren Läufer, aber Burkhard drang mit seinem Turm ein, erzwang Bauerngewinn, Turmtausch, Läufertausch und gewann das Bauernendspiel unangefochten.

Jens hatte bereits einige starke Leistungen gezeigt; nun ging es gegen Andreas. Der ließ sich auch nicht lumpen, und ging die Partie sehr offensiv an. Sehr zweischneidig, denn Jens hätte die Möglichkeit gehabt, sein Läuferpaar sehr stark werden zu lassen. So tauschten sich viele Figuren auf umkämpften Feldern ab, und es entstand ein Endspiel, in dem eher Jens etwas besser stand. Da aber keine Seite bedeutende Aktivität entfaltete, war das remis unvermeidlich.

Matthias spielte gegen mich einen Aufbau, der keine direkte Idee hat, aber sehr flexibel, und somit ernst zu nehmen ist. Prompt spielte ich etwas ungenau, und erlaubte ihm in meine Stellung einzudringen. Mit einiger Mühe zwang ich seine Figuren zum Abtausch, und kam kurz danach zum Ausgleich. Verschiedene Drohungen hüben und drüben wurden allesamt adäquat beantwortet, und man fand sich in einem Springerendspiel wieder. Für mich war das klar remis, aber Matthias probierte noch etwas. Erneut erlaubte ich mir Ungenauigkeiten, die aber zum Glück für mich gerade noch gut ausgingen - remis.

Der Sieger der Partie zwischen Sören gegen Cliff würde die Tabellenführung übernehmen, so viel war klar. Und man merkte es den beiden an. Sören ging sehr aktiv zu Werke, und Cliff wich nicht zurück, obwohl ein remis ihm vermutlich geholfen hätte. Schon in der Eröffnung war die Stellung sehr zweischneidig; bald fand man sich in einem Endspiel, das aufgrund der Bauernstellung recht scharf war. Cliff machte einige sehr seltsam anmutende Züge, die aber ihre Berechtigung hatten. Sören fühlte sich herausgefordert, eine Qualität für erst einen, dann zwei, schließlich drei Bauern zu geben. Cliff hatte dies aber so gestaltet, dass die drei Freibauern teilweise erobert, teilweise am Vormarsch gehindert wurden. Sörens Zeit schwand, und es gelang ihm nicht, die Probleme so zu lösen, dass er den Remishafen hätte ansteuern können. Cliff gewann zum Ende hin souverän.

Der Kampf um den Ratingpreis nimmt Fahrt auf. Hier hat nun Henning mit vier Punkten die besten Karten. Ihm folgen mit einem halben Punkt zurück Jens und Alexej. Alle drei haben bisher sehr gute Leistungen gebracht, mit starken Ergebnissen auch gegen deutlich bessere Gegner. Es steht zu vermuten, dass der eine oder andere in der letzten Runde erneut einen dicken Brocken bekommt. Man darf gespannt sein.

Im Ringen um den Turniersieg ist die Entscheidung ziemlich sicher gefallen. Cliff hat mit fünf Punkten einen ganzen Punkt Vorsprung vor Burkhard, Henning und mir. Die anderen Favoriten Sören, Matthias und Andreas liegen nochmals einen halben Punkt zurück, und können aus eigener Kraft nur noch mit Glück das Siegertreppchen erreichen. Mit derselben Ausbeute haben auch Jens und Alexej noch Chancen auf einen vorderen Platz. Auf den Plätzen zwei bis neun ist Gedränge, nur Cliff ragt heraus. Es sieht danach aus, als ob er seinen Titel aus dem Vorjahr erfolgreich verteidigen kann.

 

Egbert Hengst