Heinz-George-Pokal 2016: munterer Auftakt

Wie in den vorigen Jahren ist auch diesmal die Beteiligung von der Quantität her gering. Mit 14 Spielern dürfte es sich vermutlich sogar um einen Minus-Rekord handeln. Von der Qualität her gibt es nichts zu meckern. Mehr als ein Drittel der Teilnehmer kommen für den Turniersieg in Frage, das verspricht sehr spannend zu werden.

Einen lockeren Aufgalopp hatte Andreas gegen Ulf. Erst übersah dieser eine simple Fesselung, dann eine Gabel, anschließend einen Spieß auf Dame und König. Ob Ulf alle Fehler des Turniers gleich in der 1.Runde machen wollte? Nachdem jedoch früh die Stellung auseinanderbrach, war schon alles egal.

Als nächster war Cliff fertig gegen Birk Heimbrodt. Dieser stand solide, aber doch etwas gedrückt. Ein Bauernsturm im Zentrum kostete ihn eine Figur gegen zwei Bauern. Als Cliff dann Herrschaft über die einzige offene Linie erhielt, gab Birk auf. Diese Stellung hätten sicher viele Spieler weiter gespielt, ohne jedoch am Ergebnis etwas ändern zu können.

Stefan hatte seine Eröffnung nach meiner Ansicht gegen Jürgen Meyer vermurkst. Jürgen stand klar besser, wenn nicht bereits auf Gewinn. Was dann folgte, war mir nicht klar, und ich habe den Verdacht, den beiden Protagonisten auch nicht. Jürgen hatte einen Mehrbauern, stand aber mit dem Rücken zur Wand. Erneut wendete sich das Blatt, als Jürgen eine Figur gab/verlor (weiß das jemand?), und dafür ein Rudel weit vorgerückter Freibauern erhielt. Das Ende der Partie leuchtete mir indes wieder ein. Remis durch Zugwiederholung - die Bauern konnten nicht erobert werden, und auch nicht vorrücken.

Mit Nikolai Quiring, der beim Verbandsliga-Konkurrenten Rendsburg das Spitzenbrett besetzt, sieht das Turnier mal wieder einen 'Neuling'. Keine Frage, dass er zum engsten Favoritenkreis gehört. Heute spielte er gegen Karina Off mit schwarz, ruhig und sicher. Karina tauschte da und dort etwas ab, was den Druck etwas aus der Stellung nahm, aber dem Gegner mehr und mehr die Initiative überließ. Einen Sturm gegen seinen König beantwortete der mehrfache Senioren-Landesmeister mit einer Attacke im Zentrum auf den dort stecken gebliebenen König, die rasch entscheidend war.

Drama an Brett sechs: richtig, das war das Brett von Burkhard. Ein seltsames Schattenboxen zwischen Rolf und Burkhard... Wer verliert als Erster die Nerven und rochiert?! So fühlte sich das an; beide sind bekannt dafür, ganz gern die Rochade hinaus zu zögern. In dieser Hinsicht 'gewann' Burkhard, der nach einem Schach mit dem König an die Luft durfte/musste. Noch dazu befand er sich wachsender Zeitnot. Rolf fand gute Züge (auch wenn die Rochade dabei war), schlug sich mit seinem Springer auf die siebte Reihe durch. Als Burkhard einen Abzug gegen die weiße Dame vollzog, war es schon vorbei: die Dame kam mit Tempo auf ein phantastisches Feld, was den Gewinn von gleich zwei Qualitäten und erzwungenem Damentausch bedeutete. Das war's, Burkhard gab auf.

Sören hatte gegen Jens etwas mehr Raum im Zentrum, und ging mit den Bauern vor. Absicht oder Not, Jens erlaubte eine Gabel, die nach Damentausch in einem Endspiel mit zwei Bauern für einen Springer mündete. Mir war nicht klar, ob Sören her überhaupt einen Gewinn erzwingen konnte, denn das Gerüst von Jens war schon sehr stabil. Dann ging Jens selbst im Zentrum vor, und stand vor der Wahl: vorbei ziehen mit aktivem Spiel, die Spannung aufrecht halten oder den gegnerischen Bauer schlagen. Er wählte die letzte Option, und die war falsch. Dieser isolierte Doppelbauer konnte leicht zuerst blockiert, dann erobert werden. Mittlerweile fast in Zugzwang gab Jens auf.

In einer weiteren Partie werden sich Henning Carstens und Ulrich Weber duellieren. Sie waren zum Spielort unterwegs, dann aber in einen Unfall verwickelt - zum Glück ohne Personenschäden. Drücken wir die Daumen, dass die Sache glimpflich ausgegangen ist.

Viel Kampfeslust war heute zu sehen, das ist erfreulich. Was mir aber auch gefallen hat, ist dass verlorene Partien mindestens an drei Brettern zum rechten Zeitpunkt aufgegeben wurden. Es ist ein Zeichen von Respekt, dem Gegner und auch sich selbst gegenüber.

Von den Favoriten haben Cliff, Nikolai Quiring, Sören und Andreas gepunktet, Jürgen musste sich mit einem remis zufrieden geben, und der immer wieder für Überraschungen sorgende Burkhard gar eine Niederlage quittieren.

 

Egbert Hengst