Heinz-George-Pokal Runde 2 - Tag der Springer, Tag der Kollmaraner

Zweite Runde, viele interessante Paarungen. Nicht viel Vorrede, los geht's.

Dirk Clausen gegen Wolfgang Schlünz, Spitzenpaarung. Nach einigen Zügen bietet sich ein überraschendes Bild : Dirks Figuren schnappen nach Luft, es drohen Gabeln und/oder Rückmarsch auf die Ausgangsfelder. Wolfgang hat kaum Entwicklung, aber zwei Bauernlawinen, eine auf dem Damen-, die andere auf dem Königsflügel. Bei meinem nächsten Rundgang ist die Partie gelaufen. Wolfgang hat eine Figur mehr, nötigt mit seiner gedeckten (schwarzen!) Dame auf e2 die gegnerische zum Tausch, etwas später ist ein Endspiel, in dem Dirks Springer Plätze sucht, auf dem er nicht von Wolfgangs Läufern verspeist wird. Dazu hat Wolfgang seinen Turm auf der leeren zweiten Reihe, Mattgefahren sind unverkennbar. Punkt für Wolfang? Nein, es geschieht unglaubliches: Dirks Springer hat ein Randfeld gefunden, von dem aus er tatsächlich einen Läufer angreift, und siehe da, die Drohung wird übersehen, dazu erfolgt das Schlagen dieses Läufers mit Schach und der andere Läufer verschwindet auch. Und als dann der Springer sich über Wolfgangs Bauern hermacht, gibt dieser auf. Eine unglaubliche Partie mit einem unglaublichen Ende.

Kalle greift gegen Sören an, der aber darauf besteht, eine ordentliche Stellung ohne Schwächen zu haben. Irgendwann in der Partie stehen vier schwarze Bauern auf f/g 6/7, das sieht man auch nicht so häufig. Kalle verschärft das Tempo, gibt einen Turm und zwei Bauern gegen zwei Leichtfiguren. Zu seinem Leidwesen verschwinden auch die Damen, denn nun sinken die Angriffschancen. Sörens König entflieht den Angriffen auf ihn in Richtung Damenflügel, wo er schlussendlich nicht nur sicher ist, sondern auch den Vormarsch der bereits weit vorgerückten Bauern entscheidend unterstützt; Kalle streicht die Segel.

Cliff muss mit schwarz gegen Martin Kruse ran, und probiert aus purer Lust mal eine neue Eröffnung (gut so!). Sein Gegner spielt die schärfstmögliche Variante dagegen, und kommt zum Angriff. Nach einem feinen Qualitätsopfer brechen in Cliffs Stellung alle Dämme. Allerlei Figuren richten sich gegen seinen König, ein festgepflanzter weißer Läufer auf d6 schneidet Cliffs Truppen von der Verteidigung seines Königs ab, der sich schließlich der gegnerischen Übermacht beugen muss.

Bei Bernd gegen Sven war wohl die Favoritenrolle der verlustpunktfreien Spieler am eindeutigsten festgelegt. Allerdings spielt Bernd mutig, weicht nicht vor Svens Aggressionsversuchen zurück. Just am Damenflügel, der Sven gehören müsste, macht Bernd immense Fortschritte, gewinnt einen Bauern. Dann stehen sich neben je einer Dame und Turm zwei Springer von Bernd zwei Läufern von Sven gegenüber. Ich hätte lieber Svens Figuren gehabt, aber die Springer decken sich nicht nur gegenseitig, sondern drohen allerlei Ungemach. Und Sven verliert trotz Zeitvorteils den Faden, dann eine Figur und reicht Bernd die Hand. Eine faustdicke Überraschung!

Ich  hatte es mit Volker Recklies zu tun. Wir hatten schon mal die Klingen gekreuzt. Damals dachte ich, ihn angreifen zu müssen/dürfen, weil seine Figurenaufstellung mir nicht optimal zu sein schien. Das Ergebnis war remis, ich kam nicht durch und musste Dauerschach geben. Diesmal also ruhiger spielen... klappt eine Weile, meine Bauernstellung ist etwas besser, dazu habe ich das Läuferpaar (erst später stellte sich heraus, dass das an diesem Abend kein Vorteil war)... das ich sogleich wieder abgeben muss, und dazu seine Bauernstellung in Ordnung bringen. Die Parte beginnt von vorn, kein Vorteil (mehr) da. Mein Läufer ist 'schlecht', aber ich kann meinen Springer auf ein so beherrschendes Feld stellen, dass Volker ihn dann doch abtauschen muss, und mir einen gedeckten Freibauern beschert. Zweiter Anlauf, alle Bauern am Königsflügel vor, den Druck permanent erhöhen. Im Zentrum kann ich durchbrechen, eine Qualle gewinnen, und dann noch seinen Springer, der einer weiteren Fesselung zum Opfer fällt. Puhh, ein hartes Stück Arbeit.

Volker Brandt muss gegen Carsten Coldewey ran, wiederum einen Kollmaraner aus der ersten Mannschaft. Erneut sehen wir eine kreative Eröffnung, h4 nebst c3. Und so kommt man in Caro-Kann mit dem Mehrtempo h4. Ob das ein klares Mehrtempo ist?! Mir fällt eine Bemerkung von Artur Jussupow ein : das Problem an holländisch (f7-f5) ist, dass  mitunter f5-f7 der beste Zug wäre (dem Sinne nach). Aber wie wir wissen, gehen Bauern nur vorwärts. Volker rochiert wohlweißlich nicht, Carsten im 24. Zug (ist mir von Eingeweihten zugetragen worden). Carsten gewinnt schließlich im Endspiel, nachdem Volker eine Figur ins Geschäft steckte, aber nicht genügend Kompensation dafür bekam.

Dirk Martens gegen Arno; was ich gesehen habe, war absolut okay für Arno. Allerdings ist Dirk gerade in solchen Manövrier-Stellungen sehr stark. Er kann meist besser als sein Gegner 'nichts' tun. Und auch hier verliert Arno die Übersicht, opfert eine Figur mit der Folge, danach Dauerschach zu geben. Dirk gibt ein Zwischenschach, erzwingt den Damentausch, und aus ist es.

Henning Olde kommt schnell gegen Ulrich Weber mit schwarz ins Rollen. Ich glaube, solche Stellungen hat er schon tausendmal auf dem Brett gehabt. Seine Figuren dringen ins weiße Lager ein, erzwingen Bauerngewinn, Damentausch, Qualitätsgewinn und einen dann leichten Sieg im Endspiel.

An den weiteren Brettern habe ich nicht genug gesehen. Als erster war Stefan fertig, der gegen Alexey früh Material und die Partie verlor. Unser Held der letzten Runde Peter Cymbalista verliert gegen Olaf Lubenow, Peter Henke holt erneut ein beachtliches remis gegen Karina Off, Jens Bartels verliert gegen Ignacio de Martin und Erich Haase gewinnt gegen Rolf Meier.

Die Kollmaraner hatten einen Glanztag : 4:0 gegen eine gemischte Mannschaft aus Itzehoe, Brokdorf und Heide. Unter den ersten neun der Tabelle (mit positivem Punktekonto) befinden sich je drei Spieler aus Hademarschen, Kollmar und Itzehoe.

Die nächsten Duelle bringen schon vereinsinterne Begegnungen, und weitere interessante Paarungen. Am meisten gespannt bin ich, wie sich Bernd inmitten Der Verbandsliga (sowohl Nord- als auch Ostseestaffel)-Spieler schlägt. Und da ich nicht gegen ihn spielen muss, drücke ich ihm besonders die Daumen.

 

Egbert Hengst