Heinz-George-Pokal Runde 4 - Itzehoer auf dem Vormarsch und im Glück

Viel mitbekommen habe ich von den anderen Brettern nicht, man könnte auch mit einigem Recht behaupten, an meinem Brett auch nicht - leider. Ich spiele gegen Olaf Lubenow, Kollmar. DWZ zu Turnierbeginn etwa 1600, aufgrund verspäteter Einbeziehung von Jugendturnieren zusammengedampft auf 1450, in den letzten Turnieren Leistungen zwischen 1700 und 1800, hochgerechnete Leistung der ersten Runden unseres Turniers knapp 2100. Ähhh ... ja. Erst mal ruhig und sauber, gucken, was der Gegner so macht. Eigenwilliger Aufbau, aber sicher spielbar. Das Zentrum wird abgeschlossen, ich drohe mit f4 vorzugehen, mein Gegner sieht sich gezwungen, Läufer und Springer des Damenflügels auf die Ausgangspositionen zurück zu entwickeln, um sich mit f5 entgegenstemmen zu können. Planänderung bei mir, Linien am Damenflügel öffnen, sein f5 wird schlicht geschlagen, der Läufer abgetauscht, ein Springermonster auf e4 führt neben der kompletten Beherrschung der einzigen offenen Linie nebst Besetzung der siebten Reihe die positionelle Entscheidung herbei. Sparmodus einschalten, dem Gegner die Hoffnungslosigkeit seiner Stellung vor Augen führen, Hände schütteln, Ende. Von wegen... sein Springeropfer in beginnender Zeitnot bei mir beschleunigt meinen Puls doch spürbar, ich lehne ab, mache mir eine Festung. Alles wieder gut. Dann kommt mir die grandiose Idee, seinen Läufer auf d8 (der nicht wesentliches tut) und seinen Springer auf h3 (der kein einziges Feld hat und einfach nur herumsteht) abzutauschen, das macht es übersichtlicher. Wie bescheuert kann man sein ?! Sofort verliere ich zwei Bauern, gegen nur windige Chancen. Später bekomme ich etwas Spiel (erneut befinden sich zwei schwarze Leichtfiguren auf der achten Reihe), auch da werde ich erneut aus allen Träumen gerissen. Sein Läufer stellt sich zwischen meine Türme, so dass beide hängen, ich eine Figur verliere. Einige Drohungen (mein Gegner hätte längst beliebig Dauerschach geben können) von mir werden entkräftet, ich verbleibe mit Dame und Turm gegen zwei Leichtfiguren und einen Bauern, habe allerdings etwas Druck. Und dann ist mein Gegner dran mit einem Patzer - die Dame schlägt so unglücklich einen Bauern von mir, dass ich mit meiner Dame den gefesselten Springer erobern kann. Dass das gleichzeitig matt wird, war nur mit gegnerischem Damenopfer zu verhindern, wir beide waren in hochgradiger Zeitnot. Irgendwann habe ich zwei Damen gegen ein wackeres Bäuerlein, mein Gegner gibt auf. Wenn der Spruch 'das Glück ist mit den Dummen' stimmen sollte, habe ich leider nur einen einstelligen IQ. Übrigens... äußerst fair : meine Zeit sinkt unter fünf Minuten, und mein Gegner teilt mir freundlich mit, dass ich nicht mehr mitschreiben müsse. Das hat man auch nicht alle Tage.

Und nach uns gab es noch eine Partie : Karina Off gegen Arno. Damenendspiel mit einigen Bauern, einer mehr bei Karina. Zeit Karina : etwa 18 Sekunden, Arno : etwa 28 Sekunden. An dieser Stelle war klar, dass die Partie auch nicht mehr ewig dauern würde. Arno bietet remis an, Karina lehnt ab. Diverse Schachs hüben und drüben, mal zieht ein Bauer, mal verschwindet einer vom Brett. Das Ende war unvermeidlich... Arno : 'Zeit'; korrekt, Karinas Uhr zeigt nur noch 0en. Und Arnos? 0.01. Eine einzige Sekunde sorgt für den zweiten glücklichen Sieg der Itzehoer.

Einige remis an den Spitzenbrettern, nach den Eröffnungen (der Spruch 'da man hat nicht viel, aber wenig' ist entgegen meiner vorherigen Ansicht Klaus Kalkstein zuzuschreiben, wie man mir so freundlich war mitzuteilen) habe ich nichts mehr mitbekommen. Es führt Martin Kruse punktgleich mit mir (muss man sich bei so viel Glück eigentlich schämen?). Danach Dirk Martens und Dirk Clausen aus Hademarschen, und neben dem Kollmaraner Carsten Coldewey mit Sören, Sven, Kalle und Alexey gleich vier Itzehoer in Lauerstellung!

Ich habe mittlerweile meinen Favoriten, aber den Namen nenne ich erst, wenn ich ihm zum Turniersieg gratulieren darf, und er den neuen Heinz-George-Pokal entgegen nimmt.

Egbert Hengst