H-G-Pokal letzte und siebte Runde: Drama unter der Zielflagge

Zunächst wurde den Teilnehmern die Auslegung der Wertungen dargelegt. Insbesondere in Bezug auf die Zweitwertung ‚direkter Vergleich‘ gab es Klärungsbedarf. Zunächst war die Wertung gedacht für den Fall von zwei punktgleichen Spielern. Aber natürlich kann er auch angewendet werden für mehrere punktgleiche Spieler. Letztlich muss eine der folgenden Bedingungen erfüllt sein. Haben unter den Spielern alle möglichen Paarungen statt gefunden, kann eine Minitabelle angefertigt werden. Im Falle B gewinnt gegen C, C und A spielen remis, A und B spielen remis hat B 1,5 Punkte, A 1 Punkt und C 0,5 Punkte. B ist Bester dieser drei punktgleichen Spieler. Angewendet kann der DV aber auch dann, wenn nicht alle Paarungen statt gefunden haben. Gewinnt D gegen E und F, während E und F nicht gegeneinander gespielt haben, ist D bester dieser Gruppe (er hat gegen alle gespielt, und gegen alle gewonnen). Ebenso kann man den schlechtesten ermitteln. Die Zweitwertung ‚direkter Vergleich‘ sollte später noch entscheidende Bedeutung haben. Zur Ausgangslage vor der letzten Runde:

Burkhard, Andreas und Cliff liegen vorn, mit jeweils 4,5 Punkten. Im direkten Vergleich greift genau die Minitabelle von oben mit A, B und C. Wer wer ist, kann man vermutlich erraten. Burkhard hat vermutlich mit Jens den einfachsten Gegner, während sich Andreas an mir versuchen darf, und Cliff gegen Frank ran muss. Frank selbst sowie auch Martin haben noch gewisse Chancen, aber dann muss schon allerlei zusammen kommen.

Bereits vorab hatten Frank und Cliff remisiert. Dadurch waren Franks Chancen auf den Turniersieg weg, die von Cliff auch eher gesunken. Er konnte nur noch hoffen, dass weder Andreas noch Burkhard voll punkten würden.

Bei den Paarungen ab Brett fünf ging es teils friedlich, teils ruppig zu. Dirk gewann gegen Peter mit einem optisch sehr hübsch anzusehenden Turmzug, der die Dame gegen eben diesen Turm gewann. Hans-Christian Ackermann stand nicht besser gegen Harald, dessen Spiel immer besser wird. Dennoch gewann der erfahrene Marner.

Gerhard und Bernd mühten sich lange um Vorteil. Eine Qualität wanderte hin und her, bis man sich in einem absolut ausgeglichenen Endspiel wieder fand. Ulf gewann schnell gegen Rolf, an dem das Turnier irgendwie vorbeilief.

Pit besiegte mit schwarz Karina. Am längsten mühte sich Ulrich gegen Kalle, letztlich vergebens.

Blieben drei Partien im Blickfeld: Burkhard gegen Jens, Martin gegen Alexej und Andreas gegen mich. In den beiden anderen Begegnungen konnte ich keinen Vorteil für einen der Favoriten ausmachen. Meine Stellung fühlte sich gut an. Ich hatte zwar erheblichen Zeitnachteil, aber bereits spürbaren Druck aufgebaut.

Schattenboxen… wie muss man mindestens abschneiden, wenn man davon ausgeht, dass..

Während an den anderen Brettern nichts wesentliches passierte, konnte ich Andreas zu einem Zwischenzug verleiten, der sofort eine Figur und in Bälde auch die Partie kostete. Junge, spiel nicht sooo schnell!

Burkhard würde nun bei eigenem remis dann Turniersieger sein, wenn Martin nicht gegen Alexey gewinnen würde. Und in der Tat war das nahezu ausgeglichen. Auf der einzigen offenen Linie radierten sich die schweren Truppen gegenseitig aus, und es verblieben zwei weitgehend geschlossen Bauernformationen. In dieser Situation an Martins Brett remisierte Burkhard gegen Jens, sehr gewagt. Und das Unheil nahm seinen Lauf. Mit der im Grunde einzigen Drohung, die Martin noch hatte, kam er in Vorteil, weil Alexey einmal nicht optimal fortsetzte. Und Martins Druck wurde größer und größer, sein Sieg war mittlerweile abzusehen. Und dann war es soweit: Alexey gab nach großem Kampf die letzte Partie des diesjährigen Heinz-George-Pokals der Stadt Itzehoe auf.

Und damit waren denn Burkhard, Cliff und Martin punktgleich vorn. Direkter Vergleich war nicht, und nur zur Drittwertung: Cliff und Martin haben einmal mehr gewonnen, und sind somit vor  Burkhard. Und da Cliffs DUDWZ (seiner Gegner) höher war als die von Martin, hat es den jungen Burschen noch ganz nach vorn gespült. Sicher etwas überraschend, und auch etwas glücklich, aber:

Cliff Ruhland gewinnt den Heinz-George-Pokal der Stadt Itzehoe 2014

Martin als Zweiter hatte überhaupt nicht mehr mit so einem guten Platz gerechnet, und wird sicher auch nicht unzufrieden sein. Burkhard ist als Dritter sicher unglücklich positioniert, und war doch zufrieden. Die Frage, ob er gegen Jens auf Gedeih und Verderb weiter auf Sieg hätte spielen müssen/können/sollen, hat er am Brett beantwortet.

Auch auf den Plätzen vier bis sechs drei Spieler punktgleich: Andreas, Frank und ich. Alle haben gegeneinander gespielt, mit jeweils einem Sieg und einer Niederlage. Auch hier also die Drittwertung: Frank und ich mit vier Siegen, Andreas mit einem weniger nur auf Platz sechs. Er wird sicher mit seinem Spiel zufrieden sein, und seine erste DWZ ist mit knapp 1900 auch nicht zu verachten. Und nebenbei ist er auch Sieger in der Kategorie Ratingpreis. Sicher hätte auch Jens diesen Preis verdient, aber manchmal sind eben andere noch besser.

Die Zweitwertung ‚direkter Vergleich‘ stand mehrfach zur Disposition bei reichlich punktgleichen Spielern in verschiedenen Tabellenregionen. Letztlich wurde kein einziger Tabellenplatz aufgrund des direkten Vergleichs entschieden.

Was bleibt, ist das Blitzturnier, und ein besonderer Dank an Gerhard für seine Anwesenheit (was dem Turnier eine Extraportion Würze gab) und auch als Vorsitzender der Schiedsrichter, die zum Glück nicht ein einziges mal einschreiten mussten. Und ein besonderer Dank geht dann auch an Bernd, der meist als Erster beim Aufbau dabei war, und als Letzter ebenfalls zugegen, um dann mitten in der Nacht Auswertung und Auslosung online zu stellen. Danke, Bernd.

Was noch bleibt: allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr zu wüschen. Und bis nächstes Jahr beim Heinz-George-Pokal der Stadt Itzehoe 2015.

 

Egbert Hengst