Wir trauern um Helmut Janßen

 

Heute, am 31.03.2012, ist unser Schachfreund Helmut Janßen für immer von uns gegangen. Helmut war über fünf Jahrzehnte hinweg ein nimmermüder Kämpfer ausnahmslos in den Reihen unserer ersten Mannschaft, ein halbes Jahrhundert! Wie viele Schlachten hat er erlebt und geschlagen… Noch in den letzten Jahren hat er aufopferungsvoll seine ganze Kraft in den Dienst der Mannschaft und des Vereins gestellt, und maßgeblichen Anteil daran, dass „seine“ erste Mannschaft dreimal nacheinander den Abstieg vermeiden konnte. Dass wir in dieser Saison recht locker dieses Ziel Klassenerhalt vorzeitig erreichen konnten, hat Helmut aufmerksam und emotional stark involviert verfolgt.

 

Helmut hatte als Spieler am Brett eine fast unglaubliche Ruhe; sein Stil war immer absolut unerschrocken auch gegen stärkste Gegner und federleicht. Suchte man Beispiele für „Schach kann so einfach sein“, wären Helmuts Partien erste Wahl. 

 

Auch als Mensch genoss er in unserer Mitte allergrößte Wertschätzung, ruhig und zurückhaltend im Wesen, mit einem feinen Humor ausgestattet.

 

Unser Mitgefühl gilt seiner Familie.

 

Helmut, durch die Erinnerungen an Dich werden wir immer mit Dir verbunden sein.

 

Egbert Hengst

 

 

 

Wenn ich mich an Helmut Janßen erinnere …

 

… fällt mir erst einmal eine Episode von den Landesmeisterschaften 1978 in Mölln ein. Helmut und ich spielten beide in derselben Kandidatengruppe um den Aufstieg in die Vormeisterklasse. Er tat das in seinem unnachahmlich ruhigen und dennoch konsequenten Stil, während ich mich eher als Statistiker betätigte. Er besiegte also der Reihe nach die Gegner, die zu schwach oder auch zu ungestüm für seinen sicheren und kontrollierten Stellungsaufbau waren, während ich glaubte, mich mit einem Quantum von drei Siegen zurücklehnen und zum Aufstieg remisieren zu können. Nach acht von neun Runden war klar:

Helmut stand mit 6½ Punkten bereits als Gruppensieger fest und ich hatte meine achte Runde verloren und musste nun die letzte Runde unbedingt gewinnen.

Und also kam es – weil diese Geschichte ja auch eine Pointe haben muss – in der neunten Runde dazu, dass wir beide gegeneinander spielen mussten. Ich weiß nicht, wie andere Spieler desselben Vereins unter diesen Umständen gehandelt hätten - es war nicht wirklich regelgerecht, wie wir es taten: Helmut erklärte mir nämlich, dass er in wirklich jeder Stellung ein Remisangebot von mir akzeptieren würde, was im Rückschluss bedeutete, dass ich ohne Verlustrisiko angreifen und versuchen konnte, mir den so dringend benötigten Punkt zu verschaffen. Ich habe mir schließlich diesen Sieg geholt und konnte somit gemeinsam mit Helmut ein Jahr darauf in Eckernförde in der Vormeisterklasse starten.

Helmut Janssen hat sich – und soweit ich das erinnern kann ist diese Anekdote da kein Einzelfall – immer als Teil des Vereins gesehen und in den Kategorien „wir“ und „gemeinsam“ gedacht, was unter Schachspielern nun wirklich nicht jeder von sich behaupten kann.

Deswegen werde ich mich zu Zeiten immer wieder an Helmut erinnern – und ich werde es gern tun.

 

Hans-Joachim Siewert