OHSM Runde 2: Itzehoer gut im Rennen und ein tolles Matt

Runde zwei: am Spitzenbrett trafen die beiden Hademarscher Martin Kruse (einer der Topfavoriten) und Dr. Martin Tiessen aufeinander. Von den beiden Mannschaftskameraden war Martin klarer Favorit, und wollte sicher gewinnen. Martin spielte aber sehr solide und zeigte keine Schwäche, stand sauber. Der Hademarscher spielte wie üblich aktiv, fing sich dabei eine kleine Schwäche ein. Martin aktivierte seine Figuren gegen diese Schwäche und stand sicher einen Hauch besser. Wir wissen aber, wie zäh Martin auch in der Verteidigung ist. Und da Martin den Druck nicht weiter erhöhen konnte, wurde remis vereinbart. Für Martin sicher ein Erfolg, während Martin aufgrund der Partie mit der Punkteteilung zufrieden sein musste.

Gleichfalls ein Duell zwischen Vereinskameraden mit einem klaren Favoriten gab es an Brett drei zu beobachten. In einer symmetrischen Bauernstellung mühte sich Sönke Becker gegen Burkhard Lewke um Aktivität, Burkhard hatte aber eine sehr gesunde Entwicklung. Sönkes Versuche, Tempi zu gewinnen, schlugen ins Gegenteil um. Burkhard stand nach meinem Geschmack spürbar besser. Auch hier wurde remis vereinbart. Für Burkhard sicher ein kleiner Erfolg, für Sönke ein kleiner Rückschlag beim Unternehmen Titelverteidigung.

Gegen Kenneth habe ich mal wieder eine sporadisch von mir genutzte Eröffnung gewählt. Ich befürchtete eine gezielte Vorbereitung gegen mein sizilianisch. Und siehe da, Kenneth hatte sich vorbereitet, unter Zuhilfenahme von Emil Powierski. Hab ich doch den Braten gerochen! Genutzt hat es mir nichts. Auch mein Caro-Kann lief in eine Vorbereitung, diesmal war eine DVD von GM Lalic Ideengeber von Kenneth. Und so musste ich bald eine schwierige Entscheidung treffen. Meine drei Auswahlzüge wurden alle von Pachman (für die Youngster: vor dem Internet-Zeitalter gab es Bücher) als gleichwertig eingestuft. Kenneth kannte meinen gewählten Zug nicht mehr, und reagierte unlogisch, ohne dass das ein Drama gewesen wäre. Wir kamen ins Endspiel, und plötzlich drohte sein Läufer aufgrund von fehlenden Feldern verloren zu gehen. Ich bekam nun etwas Druck, und Kenneth war dran, eine schwierige Entscheidung zu fällen. Zumindest eine war falsch, und führte zu Bauernverlust. Das wollte Kenneth nicht wahrhaben, und er verlor ohne Kompensation die Qualle, was ihn zur sofortigen Aufgabe veranlasste.

Cliff spielte mit schwarz gegen Hans-Henning Carstens, und ließ einen wüsten Bauernsturm in aller Seelenruhe zu. Gegenschlag von Cliff, und auch hier war ein Qualitätsgewinn die Folge. Damentausch, Turmtausch, der verbleibende Turm gewinnt einen Bauern, fesselt den Läufer, tauscht sich gegen diesen ab, und man landet in einem klar gewonnenen Bauernendspiel. An einer Stelle hätte Hans-Henning anders fortsetzen können, und nur einen Bauern verloren statt Qualität mit reichlich Tauschen. Wichtig aber wäre gewesen, die ganzen Truppen auf dem Brett zu behalten. Aber wenn keine Fehler gemacht werden, würden ja alle Partien remis enden. Ganz witzig: auf denselben Zug Db3 mit Angriff auf den Bauern b7 haben Cliff und ich beide mit Dc8 geantwortet, beide male richtig, obwohl das bestimmt nicht eine obligatorische Reaktion ist.

Dirk Clausen gewann gegen Angelika Maaß, habe nichts gesehen wiederum von Dirks Spiel. Das wird sich vermutlich ändern, denn da er einer der wenigen verlustpunktfreien Spieler ist, wird er wohl demnächst in meiner Nähe sitzen, vielleicht auch mir gegenüber.

Timo Maaß stand sehr aktiv gegen Norbert Ruther, hatte früh eine Qualle gegeben, aber dafür mit einem sehr starken Bauernzentrum aus meiner Sicht genug Kompensation. Später war dieses Bauernzentrum aber zerpflückt, und Timo wurde zur passiven Verteidigung seiner Bauernschwächen gezwungen. Letztendlich gewann hier dann auch logisch Norbert.

Jan Honnens stand wie in Runde 1 erneut ausgezeichnet, diesmal gegen Karina Off. Ich meine beim Zählen Materialvorteil gesehen zu haben, aber obendrein war Jan im Königsangriff, Karinas Stellung war direkt davor, bereits gestürmt worden zu sein. Das Ende der Partie war mir nicht vergönnt zu sehen, aber das Ergebnis war remis – erneut ein verlorener halber Punkt aus Sicht von Jan. Ich vermute, Karina hat sehr starke Züge gefunden, um das Gleichgewicht zu erzielen.

Die Partie des Abends gab es zu sehen bei Eckhard Klütz gegen Rainer Möller. In einem Turmendspiel hatte Rainer einen gedeckten Freibauern, der bereits richtig vom Turm unterstützt wurde. Eckhards Turm stand ebenfalls ausgezeichnet auf der vorletzten Reihe. Rainers Bauer ging vor, und Eckhard hätte sich eigentlich mit dem König vor den Bauern stellen müssen. Nichts da, der König geht vor, und erlaubt dem Bauern weiterzugehen… Umwandlung nicht mehr zu verhindern, upps. Indes hatte Eckhard weiter gerechnet, denn sein König nahm dem gegnerischen wichtige Felder, und dieser wurde in ein Mattnetz verwoben, in dem er sich nur noch aussuchen konnte, ob er am Rand von dem Turm matt gesetzt wurde, oder im Zentrum von einem Bauern. Rainer zog es vor aufzugeben. Eine vorzügliche Leistung von Eckhard, Hut ab!

Es fehlt noch die Partie Gerhard Meiwald gegen Hans-Christian Ackermann. Der Sieger hat dann auch die volle Punktzahl. Maximal-Ausbeute haben bisher Dirk Clausen, Cliff und ich. Eine Vorentscheidung ist das noch nicht, aber ein guter Start sehr wohl.

 

 

Egbert Hengst