OHSM Runde 3: enorme Spannung, Cliff allein in Führung

Zunächst muss ich einige Korrekturen an meinem Bericht zur Runde zwei vornehmen. Die Partieeinschätzung Sönke gegen Burkhard fußte offenbar auf einer Retroanalyse. Die Partie war immer im Gleichgewicht. Noch derber habe ich mich bei Jan gegen Karina vertan. Mir war nicht aufgefallen, dass Jan eine Figur geopfert hatte. Seine Chancen waren unklar. Ich war etwas überrascht, dass Karina wie gemeldet remis erreicht hatte. In der Tat hat sie die Partie sogar gewonnen. Ich werde mich bemühen es zu unterlassen, Kommentare abzugeben, ohne zu wissen, wovon ich rede. In einer Nachholpartie gewann Gerhard gegen Hans-Christian Ackermann, nicht überraschend.

Und so saß er mir gegenüber. Ich versuchte, mit schneller Entwicklung etwas zu erreichen, und stand auch sicher ganz gut. Als ich dann aber seine Dame mit schwächenden Bauernzügen auf bessere Felder trieb, war’s schon vorbei mit dem Anspruch, Vorteil herausholen zu können. Irgendwie stand ich nicht mehr gut, und musste zusehen, Ausgleich zu bekommen. Das remis-Angebot Gerhards kam mir ganz gelegen.

Somit war klar, dass der Sieger am anderen Brett der verlustpunktfreien Spieler Cliff gegen Dirk allein in Führung gehen würde. In der Tat spielten beide kompromisslos aktiv, da wurde sich nichts geschenkt. Cliff hatte die Drohung Dirks, seinen König anzugreifen, mit einem vehementen Angriff im Zentrum und am Damenflügel gekontert, und war tief in Dirks Lager eingedrungen.

Bei Burkhard gegen Martin Kruse waren ebenfalls zwei sehr aktive Spieler am Brett. Martin machte sehr früh einen verdächtigen Springerausflug… und fing damit einen Läufer von Burkhard. Kurz darauf gab Martin den Eckpfeiler vor seinem König auf; ich habe nicht verstanden warum. Aber (s.o.) ich übersehe offenbar einiges. Hier hatte jetzt Burkhard sicher Kompensation. Ein Springer war so gefährlich, dass Martin ihn mit seinem Turm entfernte. Nun hatte Burkhard sogar materiellen Vorteil.

Auch Sönke stand gegen Dr. Martin Tiessen etwas besser, und drückte auf der weißen Stellung herum. Ein Turm drang ein, und zwang Martin zu passiver Verteidigung. Irgendwie wurden aber alle Türme getauscht, und Martin ging mit seinem Springer vor. Sönke gewann einen Bauern, aber die gegnerischen Drohungen wurden so stark, dass er gezwungen war Dauerschach zu geben. Eine ganz starke Verteidigungsleistung von Martin. Eine Weile klemmen, im rechten Moment etwas entlasten, dann Gegenangriff ohne wenn und aber.

Etwas überraschend für mich gewann Hans-Henning gegen Hans-Christian, der zunächst vehement mit seinen Schwerfiguren angriff, sich dann aber verstellt hatte und furztrocken matt gesetzt wurde. Sehr stabil und ruhig gespielt von Hans-Henning. Rainer gewann gegen Mike, der mit einem Springer im Zentrum super stand, aber letztlich nur zusehen konnte, wie die gegnerischen Bauern hinter ihm Unheil anrichteten.

Martin kam dann mit seinen Leichtfiguren gegen Burkhard zu sehr aktivem Spiel. Burkhard hatte immer noch nicht rochiert, und Martins Initiative wurde höchst bedrohlich. Zunächst wurde die Rochade verhindert, dann schlug ein Springer am Damenflügel einen nur vermeintlich gedeckten Bauern. Nach diversen Tauschen hatte Martin L+S und einen Mehrbauern gegen einen Turm. Für mich sah das klar gewonnen aus (das Ende der Partie hat sich mir entzogen), und ich vermute, Martin hat den Punkt eingefahren. Eine höchst unterhaltsame Partie – viel Spaß beim Nachspielen!

Cliff hatte bereits die gegnerische Stellung gestürmt, den gegnerischen Damenflügel in Trümmer gelegt. Zunächst war das nur ein Bauer, aber ein Cliffscher Turm war bereits auf der siebten Reihe, und es gab schmerzhafte Fesselungen. Dirk ist aber ein sehr kreativer Spieler, und fand eine Abwicklung, in der Cliff eine Figur gewann, und Dirk sie einfach zurückbekommt. Das war erstens nötig, und zweitens richtig, aber Cliff hätte die Zeit nutzen können, den zweiten Turm mit einem freundlichen Gute-Nacht-Gruß auf die siebte Reihe zu befördern. Nein, Cliff findet etwas viel hübscheres. Er lässt den kurzfristigen Figurengewinn aus, und macht ein neues Fass auf. Und Dirk kontert höchst gefährlich, hat plötzlich ganz klar sogar Gewinnchancen. Große Güte… Irgendwie hat Cliff aber immer noch einen Ausweg, und fängt an zu kombinieren. Mit einem Mehrbauern geht’s ins Endspiel T+L gegen T+S. Und erst hier entscheidet sich der Kampf. Dirk manövriert etwas unglücklich, verliert seinen zuvor so gefährlichen Randbauern, der in meinen Augen schon fast eine Dame war, und einen Bauern im Zentrum, und dann auch noch den einzigen Bauern auf der siebten Reihe. Und gibt auf… Also falls jemand emotional involviert gewesen wäre, und falls er noch Haare gehabt hätte, die nicht grau sind, hätte sich dieser Zustand sicher geändert.

Es fehlen noch ein paar Ergebnisse, auch die Partie von Kenneth steht noch aus. Sicher ist, dass Cliff allein die volle Punktzahl hat. Dahinter sind Gerhard, Martin (vermutlich) und ich. In Lauerstellung Sönke, Dr. Martin und vielleicht Kenneth.

Wenn ich richtig liege, ist von Paarungen Gerhard gegen Cliff und Martin gegen mich auszugehen. Es bleibt in jedem Fall spannend, sowohl was den Turnierverlauf angeht als auch beim Beobachten einzelner Partien. Falls mal jemand freitags abends Langeweile hat… es gibt Abhilfe.

 

 

Egbert Hengst