OHSM Runde 7: kaum Verschiebungen im Gesamtergebnis; Cliffhanger in Action

Auch Cliff hatte die Idee, sich gezielt auf Sönke vorzubereiten. Das hört sich bei festem Repertoire des Gegners einfach an, aber  Sönke spielt sein Zeugs im Schlaf. Und erreicht eben immer Stellungen, in denen er weiß, was er tut. Also hat Cliff davon abgesehen, irgendetwas Forciertes zu suchen. Ruhige Eröffnung, für mich etwas zu ruhig. Sönke geht vor, nach und nach rücken die Bauern im Zentrum und am K-Flügel vor gegen Cliffs Stellung. Ob des Drucks entlastet sich der sofort, muss aber seinen guten Läufer hergeben, und verbleibt mit üblen Felderschwächen.

Punktgleich mit Sönke war ich auf dem nächsten Platz hinter Cliff, und hatte mit Burkhard vermeintlich die etwas leichtere Aufgabe. Dieser hatte sich auf mich gefreut; Anlass zur Sorge für mich? Da könnte ja jeder kommen. Die Eröffnung behandelte Burkhard ungewöhnlich, aber ideenreich, und versuchte einfach meinen starken Fianchetto-Läufer zu neutralisieren. Ich wich aus, stellte eine Falle… Genau richtig gab Burkhard seinen Läufer gegen meinen Springer, verpasste mir einen Doppelbauern. Ich wollte dann zu viel. Nichts dem Gegner gönnen ist ja auch nicht nett. Leicht hätte ich den Doppelbauern auflösen können, und dann mit dem Läuferpaar Druck aufbauen. Nein, ich hielt die Spannung aufrecht. Im Ergebnis bekam ich statt alles leider nur nichts. Der Doppelbauer blieb, der Springer ging von einem Feld im Zentrum auf ein anderes, ich hatte Mühe, nicht den Zentralbauern zu verlieren. Das remis-Angebot von Burkhard nahm ich an, er hatte deutlich das einfachere Spiel. Erneut eine unbefriedigende Partie von mir, nicht die erste in diesem Turnier.

Kenneth und Martin Kruse schenkten sich nichts. Schon im sehr frühen Stadium harte Belege… Martin eroberte einen Bauern, musste den aber wieder zurück geben. Ich hätte hier lieber Kenneth Stellung gehabt, aber vielleicht war sie auch immer im Gleichgewicht. Auch hier wurde Frieden geschlossen.

Dr. Martin Tiessen gegen Gerhard. Bei Martin ist etwas Sand ins Getriebe gekommen. Nach anfänglichen sehr starken Leistungen hatte er zuletzt nicht mehr das Glück des Tüchtigen. Für mich überraschend deutlich gewann Gerhard, der recht früh Dame gegen Turm und Leichtfigur bekam, dazu aber einen Riesenbauern, der das Rennen machte. Nicht die erste starke Leistung von Gerhard in diesem Turnier.

Dirk Clausen gewann gegen Ulf, ein früher Qualitätsgewinn war nicht mehr wett zu machen. Karina und Norbert Ruther teilten den Punkt, Eckhard Klütz gewann gegen Mike Göring.

Die letzte Entscheidung gab es an Brett 1: Sönke drückte mächtig auf Cliff herum. Bei Cliff waren plötzlich nur noch verknotete Figuren vorhanden. Damit ein Springer ziehen konnte, musste erstmal der Turm zurück in die Ecke. Irgendwie bekam Cliff alle Türm vom Brett, aber die anderen Figuren waren immer noch passiv bis schlecht. Mal musste eine weiße Dame auf der Grundreihe nach a1 als einzigem Feld, mal musste sie schleunigst zurück, um dem Sg2 beizustehen, der nicht weichen durfte, weil sonst matt auf h1. Junge Junge, das erinnert mich an einen Cliffhanger, die hängen manchmal mit einem Finger an einem Felsvorsprung, unter dem es ohne Absicherung sehr weit nach unten geht. In der Werbung verköstigen die dann noch lustvoll einen Müsliriegel…(nachträgliche Anmerkung: man hat mich darauf aufmerksam gemacht – und das wurde soeben im Fernsehen bestätigt – dass Cliffhanger eine Situation am Ende eines Films mit geplanter Fortsetzung oder einer Fernseh-Serie beschreibt, in der ein Spannungsbogen eröffnet wird, und der Zuschauer angeregt werden soll dabei zu bleiben. Dieser Wortsinn war mir bekannt. Das Wort stammt aber ursprünglich aus einem Roman, in dem der Held sich an einem Grasbüschel am Rande einer steilen Klippe festhält, und das war meine Assoziation, natürlich in Verbindung mit Cliffs Vornamen. Falsch ist indes, dass die Extremkletterer Cliffhanger heißen. Wieder was dazugelernt…) Sönke bekam es aber nicht hin, etwas zu erobern oder Cliff in Zugzwang zu bringen. Nächster harter Schlag für Cliff: Sönke tauscht D+L gegen D+S, und hat dann mit seinem Riesenläufer erneut eine tödliche Patrone im Lauf. Aber Cliff erweist sich erneut auf der Höhe. Alle Durchbruchs- oder Ausspielversuche werden pariert, Sönke kommt einfach nicht durch, und willigt ins remis ein. Ich würde mich nicht wundern, dass da irgendwo absolut Zwingendes für Sönke war. Das hat er sehr gut gespielt. Dass Cliff das gehalten hat, zeigt seine deutlich gestiegene Reife.

Endergebnis: Cliff hat mit 6,5 aus 7 ein phantastisches Ergebnis erzielt. Am Ende der DWZ-Auswertung wird er an der 1900er–Grenze kratzen. 1,5 Punkte zurück liegen Sönke und ich. Ich denke, wir hatten beide anfangs des Turniers den Willen, den Pott zu gewinnen, zumal Sönke Pokalverteidiger war. Aber Cliff war einfach zu überlegen, und hat gegen fast alle Konkurrenten gewonnen. Ganz witzig: zu den mit Spannung erwarteten vereinsinternen Duellen Sönke gegen Gerhard, Martin Kruse gegen Dirk und Cliff gegen mich kam es in keinem Fall.

Ein schönes Turnier geht zu Ende, wobei  wir uns wohl zur Siegerehrung wieder sehen werden. Ein besonderer Dank geht an Gerhard und seine Mannen, die für eine sehr freundliche Atmosphäre und hervorragende Spielbedingungen gesorgt haben.

 

Egbert Hengst