PokalAn und -Aus

Die erste Runde des landesweiten Pokals für 4er-Mannschaften fand am vergangenen Wochenende in Elmshorn statt. 17 Mannschaften aus dem ganzen Land fanden sich ein, knapp die Hälfte davon aus dem Schachbezirk West. Ein Freilos bekam Segeberg, die somit eine Runde weiter sind.

Als Gegner tippte ich auf Hademarschen (letzte Jahr hatten wir Heide), Sören auf Elmshorn II. Er war etwas näher dran: Elmshorn I mit Emil Powierski, Michael Schneider, Birger Ivens und FM Harm Cording trafen in dieser Reihenfolge auf Hajo, Sören, Cliff und mich. Hört sich nicht so dramatisch an, aber wir hatten an jedem Brett mindestens 100, teils 200 DWZ weniger. Lange Jahre waren die Elmshorner mit uns auf Augenhöhe, davon kann man nur noch bedingt sprechen. Ich kann mich ganz gut erinnern an meinen allerersten Mannschaftskampf; es ging in der Verbandsliga Mitte gegen Elmshorn. Ich gewann gegen Winni Hadlich, und Itzehoe den Mannschaftskampf knapp mit 4,5:3,5 Punkten. Mittlerweile sind aber die Elmshorner deutlich an uns vorbei gezogen. Es gibt mindestens drei Gründe: erstens gab es auf Itzehoer Seite über Jahre hinweg Abgänge in andere Vereine (dieser Trend ist gestoppt, dauerhaft wie mir scheint), zweitens hat Elmshorn den einen oder anderen Routinier reaktiviert (auch hier können wir mit mindestens dem Beispiel Hajo gegenhalten), und drittens trägt die kontinuierliche und gute Jugendarbeit in Elmshorn reife Früchte. Auch da wollen mir mittelfristig hin, aber der Weg ist dornig, wenn auch möglich.

Unsere weiß-Bretter Sören und Cliff standen ganz gut, eher einen Hauch besser - beides gut spielbar. Hajo hatte eine Stellung, die ich zu keinem Zeitpunkt einzuschätzen vermochte, wobei ich vermute, dass sie spielbar war. Ich selbst hatte unangenehme Entscheidungen zu treffen, was denn auch vor allem Zeit kostete. Ich hatte leichten Entwicklungsrückstand, mit unrochiertem König, meine Bauern drohten aber den gegnerischen Figuren die Luft zu nehmen - sehr zweischneidig, das Ganze. Mitten in meinem Grübeln war's bei Hajo vorbei; er hatte einem gegnerischen Springer ein Riesenfeld im Zentrum gelassen, und als dann auch noch die weiße Dame hinzutrat, entschieden Doppeldrohungen gegen beide Flügel die Partie. Cliff hatte einen Bauern geopfert, und definitiv Spiel dafür. Seine Bauern drohten die gegnerische Rochadestellung zu zermalmen. Ein gute Idee, Birger nicht in den Angriffsmodus zu lassen.

Ich entschied für mich erneut für zweischneidig statt eine etwas schlechtere Stellung in Kauf zu nehmen, und musste eine Reihe von Zwangszügen machen, wobei ich eine Gabel auf meiner Grundreihe übersah. Klar schlechter stehen oder Qualle geben, ich entschied wiederum im Spiel zu bleiben, und gab die Qualle... just hatte Cliff remis gemacht. Er hatte nicht mehr gefunden als den Bauern zurückzugewinnen, und in ein gleiches Endspiel abzuwickeln. Das bedeutete, dass Sören, der immer noch einen Hauch besser stand, und ich gewinnen mussten, denn in der Berliner Wertung zählen die vorderen Bretter mehr. Tatsächlich bekam ich etwas Spiel, indem ich meinen Springer im Zentrum festpflanzte. Mein Gegner entkräftete freche Gewinnversuche meinerseits, und stand superfest. Und da keiner von der Stelle kam, bot ich ihm remis an, was nach einigem Zögern angenommen wurde. Auch Sören akzeptierte den Friedensschluss, was zu einer 1,5:2,5 Niederlage führte. Das Ergebnis entsprach weitestgehend dem Spielverlauf. Wir waren nicht klar unterlegen, aber eine echte Chance auf das Weiterkommen hatten wir auch nicht. Unsere Richtung stimmt aber.

Ein Knaller war Lübeck gegen Brokdorf III. Nicht die allerbesten Lübecker waren am Start, ließen zudem ein Brett frei. Endergebnis 2:2, nach Berliner Wertung hat sich Lübeck für die nächste Runde qualifiziert. Hademarschen siegte gegen Flensburg, die auch nicht in Bestbesetzung antraten.

Zuletzt wehrte sich Elmshorn II gegen Bad Schwartau. Hier gelang Patrick Günter eine dicke Überraschung, indem er Thomas Schmid ein remis abtrotzte. Späte Siege an den Mittelbrettern sorgten für den klaren Sieg des Favoriten. Wie im Vorjahr gab es die spannende Paarung Bad Oldesloe gegen Schwarzenbek. Erneut war die entscheidende Partie Hauke Maag gegen Heiko Kitschke. Hauke musste gewinnen, und machte bei Minusbauer auch ordentlich Druck, wurde aber ausgebremst. Kein Fortkommen mehr möglich, remis.

Noch stärker als im Vorjahr trat Norderstedt an. Im letzten Jahr waren sie an Bargteheide gescheitert, nun gab es einen souveränen Sieg.

Die Spielbedingungen waren sehr gut. Macht Spaß dort Schach zu spielen. Fragen wirft erneut die Beteiligung auf. Im letzten Jahr fanden 24 Mannschaften den Weg nach Brokdorf, nun waren es nur 17 im für die meistern leichter zu erreichenden Elmshorn. Anders betrachtet waren es von der Anzahl her in beiden Jahren etwa 80 % der Verbandsliga-Mannschaften (nimmt man die Vorvorjahresanzahl als Grundlage für das Vorjahr). Wie das wohl kommt?

 

Egbert Hengst