30.09.2016 : Saisonauftakt geglückt

Zum ersten mal überhaupt spiele ich in dieser Saison für unsere 2.Mannschaft. Es kommt mir durchaus ehrenhaft vor, bedenkt man, dass diese bunte Truppe in der Vorsaison den sportlichen Aufstieg in die Verbandsliga geschafft hat. Dieselbe Verbandsliga, die vor einigen Jahren um ein Drittel zusammengedampft wurde. Mitgliederschwund und Vereinssterben wurden damit nicht aufzuhalten, ganz im Gegenteil. Mindestens Quickborn und Heide könnten problemlos in einer dreigeteilten Verbandsliga mit spielen, finden sich aber nun wieder in der Bezirksliga wieder. Nunmehr ist Hademarschen hinzugestoßen; selbst Glückstadt und Itzehoe (die Erste wohlgemerkt) waren schon heftig vom Aufstieg bedroht. Dass in so einem Umfeld Itzehoe II sportlich den Aufstieg erreicht, grenzt an ein Wunder, und kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Dass die Verbandsliga doch eine andere Klasse ist als die Bezirksliga, zeigt sich an den immer wieder auftretenden Verzichtsbekundungen der Aufsteiger: allein diesmal haben aus unserem Bezirk West die ersten drei dankend abgelehnt. Das Abenteuer dreigeteilte Verbandsliga wäre sicher für alle drei (IZ II, Heide, Elmshorn II) interessant gewesen, aber so...

 

Nun also erster Spieltag, gleich mal zwei Knaller: Hademarschen gegen Elmshorn II, Itzehoe II gegen Heide. Also VL-Absteiger gegen Dritten, Erster gegen Zweiten.

 

Gleich vorweg: das hat richtig Spaß gemacht in der Zwoten! Heide erscheint in Bestbesetzung, von Cai Dieball abgesehen. Mindestens drei Paarungen liefern ein deja vu. Jürgen Meyer gegen Andreas lautete auch letztes Jahr die Spitzenpaarung, Sönke Becker mit schwarz gegen mich gab es auch schon häufiger, die meiste Brisanz bietet aber die Paarung an Brett acht, die in der letzten Saison mit einem sehr späten und glücklichen Sieg für Stefan gegen Jan Marten Gemkow das Mannschafts-Unentschieden bedeutete. Für Spannung war demnach gesorgt - Heide war wohl favorisiert, insbesondere an den mittleren Brettern doch spürbar überlegen, auch wenn wir gerade dort mit Jochen und den beiden Alexe(y/j)s ausgesprochen kampfstarke Spieler haben.

 

In der Verbandsliga gibt es auch unzählige Fehler, aber meist zeichnet sich ein Endergebnis richtungsweisend ab.  Ich muss mich erst noch daran gewöhnen, dass das in der Bezirksliga nicht zwingend so ist. Da steht jemand besser; bei der nächsten Begehung ist das nicht mehr so. Insbesondere das Gefühl, wer an welchem Brett "am Drücker" ist, kann heftig täuschen.

 

Man muss sagen, dass die Heider sich den Mannschaftssieg verdient haben, aber das hätte nicht unbedingt so kommen müssen. An Kalles Brett war jedes Ergebnis möglich, es ging zu unseren Ungunsten aus. Stefan knetete und knetete, bis er am Ende seinen Springer einstellte. Sehr zäh und geduldig von Jan Marten gespielt; und man kann vielleicht sagen, dass gerade ihm das nach der letzten Saison besonderes zu wünschen war.

 

Wer hätte schlafen wollen, durfte sich auf keinen Fall neben Arnes Brett setzen. Zuerst gibt er einen Bauern, mit windiger Kompensation (oder ist Chaos auf dem Brett schon Kompensation?). Dann hat Arne eine ganze Batterie von Drohungen, sein Gegner nur eine. Kurz danach verzieht sich der Pulverdampf, und Hans Henning hat bei gleichem Material zwei Freibauern gegen null, das sieht höchst verdächtig, wenn nicht sogar glatt verloren aus. Weit gefehlt! Ich weiß nicht, wie er das gemacht hat (11 mal hintereinander gezogen?), aber Arne bekommt folgendes hin (und zwar alles gleichzeitig): der gegnerische Läufer wird gefangen, und wird sich gegen einen einzigen Bauern opfern müssen; die gegnerischen Bauern sind gestoppt - jedes Feld vorwärts Richtung Dame ist gedeckt; und Arne hat auch noch den gegnerischen Springer am Rand gefangen, eingeklemmt zwischen den eigenen Bauern. Ein wahres Kunstwerk... leider passiert Arne dann ein Malheur, als er seinen letzten Bauern verliert. Mit dem Mehrläufer allein kann man bekanntlich nicht matt setzen. Tolle Partie! Zu schade, dass die nicht mit einem vollen Punkt belohnt wurde.

 

Beeindruckend für mich die absolut kompromisslose Kampfeslust von Alexey und Alexej. Der eine spielt mit schwarz gegen einen Spieler mit 200 DWZ mehr, in einer absolut symmetrischen Stellung, und prügelt das gnadenlos auf Gewinn. Vermutlich war der sogar mal drin (stand da nicht mal zwischendurch ein herrenloser Turm?), aber selbst im völlig ausgeglichenen Springerendspiel  prüft Alexej seinen Gegner immer noch. Der andere griff äußerst beherzt an, auch gegen einen weitaus höher eingestuften Gegner. Es verbleibt ein Turm und eine Bauernkette a-f, von denen die Spitze auf der f-Linie ein gedeckter Freibauer ist, gegen Springer, Läufer und Bauern von a-e. Zu gewinnen ist das nicht, weil schwarz einfach die Bauern auf die Farbe von seinem Läufer stellt. Alexej könnte nun leicht alles dicht machen, mit unausweichlichem remis. Er öffnet aber (a tempo !) eine Linie, die den gegnerischen Springer zur Bestie werden lässt. Verlustchancen hoch, Siegchancen bestenfalls vage. Endresultat später: remis. Man mag so viel Risiko kritisieren; ich finde es eher beeindruckend. Gutes Gefühl, solche Kämpfer in unseren Reihen zu wissen.

 

Was mir auch gut gefallen hat, ist die besonnene Art, wie Peter seinen Mannschaftsführerposten interpretiert. Obwohl er gar nicht mitspielt, spürt man zu jeder Zeit sein Engagement.

 

Wie schon erwähnt: der Sieg der Heider geht in Ordnung. Herzlichen Glückwunsch!

 

Auch  nett zu sehen war es, als recht spät die Recken unserer Dritten vorbei schauten. 6:2 Sieg bei Glückstadt 2... tolle Sache. Roland und Thorben... von ihrem Niveau her gehören beide (und noch weitere aus der Dritten) eindeutig in die 2.Mannschaft. Hier zeigt sich ein immenser Vorteil bei den gewählten Aufstellungen (die im Vorwege leider zu allerlei Missverständnissen geführt hatten) aller drei Mannschaften. Ohne eine von denen zu schwächen, haben wir dennoch gleich drei schlagkräftige Teams am Start. Glückstadt II - Itzehoe III 2:6 wäre vor wenigen Jahren absolut undenkbar gewesen.

 

Eine Mannschaft fehlt doch noch?! Ich bat Sören, mich nicht aufzustellen, und das funktionierte ganz gut. Und so konnte ich schön ausschlafen, was auch nötig war in Anbetracht dessen, das ich erst kurz vor Morgengrauen das Bett bestiegen hatte. Handy aus... die machen das schon.

 

Mittags Handy an... Nachricht um 09:30 von Leo: er hatte Probleme mit seinem Auto, welches nun aber fährt. Er wäre exakt um 10:00 im Spielsaal. 10 Minuten später erneut eine Nachricht von Leo, diesmal ohne Worte. Was wollte er mir, der ich doch gar nicht mitspiele, wohl mitteilen?... ?? In mir steigen Zweifel auf... Vergeblicher Anruf von Frank kurz vor 10 ?!?! Leute, was ist los?

 

Im Spielsaal angekommen (Puls war definitiv nicht in der Nähe von 60), sehe ich doch etwas verunsichert, dass die beiden Bretter 7 und 8 abgeräumt sind. Liegen wir kampflos 0:2 zurück, weil wir vielleicht zu sechst haben antreten müssen? Leo ist jedenfalls nicht da... Hauke beruhigt mich etwas ("alles gut, wir führen 2:0"), und das steht auch so auf der Anzeigetafel. Danke, das habt ihr fein gemacht. Soll man so ältere Herren erschrecken? Pühhh, erstmal einen Schnaps... ach nee, keiner da. Leo hatte man kurz vor 10 erreicht, das Auto hat es sich doch wohl anders überlegt, und seinen weiteren Dienst verweigert. Andreas rückte einen Platz auf, und als Ersatz kam Stefan mit dem Rad. Und beide gewannen recht schnell und sicher. Insbesondere bei Stefan möchte ich mich herzlich bedanken: auf Abruf bereit zu stehen (gute und leider nötige Maßnahme!), dann direkt beim Anpfiff Alarmstart machen zu müssen, und kurz darauf den Punkt eingefahren zu haben... sehr gut!

 

Viel Gefahr bestand nicht nach dem 2:0. Sven hatte eine schwierige Position mit einem Minusbauern gegen Reiner Kühl, aber dieser war in horrender Zeitnot. Sören stand absolut ausgeglichen Hendrik Janke, ebenso Frank gegen Thies Rosenburg. Cliff hatte einen Mehrbauern gegen Thomas Nonnenmacher. Ich fand, dass Cliff etwas besser stand, aber das kann man auch anders sehen. Näherungsweise dieselbe Position wurde im Nachgang wie folgt bewertet: "Cliff steht auf Gewinn", "Thomas steht klar besser", "schwierig (ach was)". Bei Hauke konnte alles passieren, Wolfgang stand deutlich aktiver gegen Hauke Rosenburg , der sich zudem in hochgradiger Zeitnot befand...

Remis bei Sören, Sieg bei Hauke (das sah auch chic aus!), Sieg bei Wolfgang, remis bei Sven... ich kam mit dem Aktualisieren der Anzeigetafel kaum nach. Der Mannschaftssieg war schon eingetütet... remis bei Frank.

 

Nunmehr noch Brett eins. Mittlerweile war klar, dass nur Cliff noch gewinnen konnte. Und er probierte es. Läuferpaar und Freibauer, da könnte noch was gehen. Dann aber entschloss er sich, den Springer zu schlagen, was zu einem Endspiel ungleichfarbiger Läufer führte. Noch ein paar kleine Tests, dann war das remis eingetütet. 6:2, gute Sache. Aber sowas macht Ihr nicht noch mal mit mir, sonst gibt es Strafdienst!

 

Erster Spieltag also bereits Geschichte. Den Versuch einer Vorhersage möchte ich zunächst auf die erste Mannschaft beschränken. Ich bin mit dem Ligaorakel nach kaum nennenswerter Diskussion einig, dass es in der VL A in dieser Saison zwei Hälften gibt: die Mannschaften mit Aufstiegschancen, und die, die gegen Abstieg spielen. Mag sein, dass die eine oder andere von Letzteren sich früh ins Mittefeld absetzt, aber es gibt keine Mannschaft, die Aufstiegschancen, und auch eine nennenswerte Gefahr abzusteigen vor Augen hat.

 

Wir sind am Ende der Mannschaften mit Orientierung nach oben und Ambitionen aufzusteigen. Es ist an uns zu beweisen, dass diese Chancen real sind.

 

Eins ist bereits jetzt klar: die Herrschaften, die uns für diese Saison schweren Aderlass oder einen Ausverkauf vorhergesagt haben, waren auf dem Holzweg.

 

 

 

Egbert Hengst