Anmerkungen zur Verbandsliga-Reform

 

Nun ist das Geheimnis also gelüftet und es ist festgelegt, in welcher Aufteilung die neue zweiteilige Verbandsliga in die kommende Saison starten wird.

 

Und was ist nun das Ergebnis zweijährigen Brütens auf höchster Ebene?

 

Zunächst einmal ist es ja zu Reform-Überlegungen gekommen, als der Spielstärke-Unterschied zwischen der Verbandsliga-Ost einerseits und den gleichberechtigten Staffeln Nord und Mitte andererseits immer größer und belastender wurde.

 

Es wurde daher beschlossen mit Beginn der Saison 2012/13 die Verbandsligen in nur noch zwei Staffeln zu organisieren etwas, das früher schon einmal mit einer Nord- und Südstaffel existierte.

 

Die entsprechenden Funktionäre und Gremien wurden daher beauftragt zwei magische Ziele zu erreichen: einmal ein annähernd gleiches Spielstärkeniveau der Ligen bei allerdings auch noch optimierter Streckenplanung. Magisch sind solche Ziele, weil sie sich einfach kaum gleichzeitig erreichen lassen, wenn sich wie in Schleswig-Holstein die Schwerpunkte im Osten herausbilden, so dass Gleichverteilung über das Land praktisch unmöglich ist.

 

Statt also wie bisher mit der Erreichung wenigstens eines dieser magischen Ziele zufrieden zu sein, schafft es diese Reform aber tatsächlich beide Ziele deutlich zu verfehlen.

 

Die neue Einteilung ist hinsichtlich der Spielstärke unvermeidbar ostlastig (das wird sich bei einem Aufsteiger aus dieser Liga auch kaum schnell verändern) und was die Streckenoptimierung angeht darf man sich beim SV Holstein Quickborn oder auch dem Wyker TB erkundigen, die gegen diese Einteilung bereits protestiert haben.

 

Als ich vor ca. einem Jahr von dieser Reformbestrebung hörte, fiel mir spontan eine Lösung (vielleicht auch nur eine Übergangslösung) ein, die beide magischen Ziele zumindest im Auge behält:

Es bleiben die 3 bisherigen Verbandsligen bestehen und wie bisher steigen die 3 Staffelsieger in die Landesliga auf. Die (nach objektiv nachvollziehbaren Kriterien ermittelt) spielstärkste Verbandsliga stellt aber außerdem einen weiteren Aufsteiger. Nach wenigen Jahren dürfte sich die Spielstärke der Ligen wieder so weit angenähert haben, dass eine Aufhebung dieser Regelung möglich wäre. Die Streckenprofile blieben weiterhin akzeptabel.

Allerdings müsste man bereit sein, 4 Regelabsteiger aus der Landesliga zu akzeptieren. Nichtsdestotrotz bedeutet aber ein mehr an Auf- oder Absteiger fast automatisch, dass die Entscheidung über die jeweiligen Auf- und Absteiger immer mehr zum Ende der Punktrunde hin fallen wird, was als durchaus positiver Effekt gewertet werden kann.

 

So einen Lösungsansatz mag man kritisieren, doch er ist sicher effizient und problemorientiert und vor allen Dingen bräuchte niemand zwei Jahre einen Berg kreisen zu lassen ...

 

Hans-Joachim Siewert

 

 

Ich hatte parallel zu Hajo das Bedürfnis, meine Gedanken zum Thema VL-Reform zu Papier zu bringen. Nun kann ich einiges streichen; der geneigte Leser wird nicht interessiert sein, dieselben Argumente mit ähnlichen Formulierungen nochmals zu lesen. Also verstehe man meine Zeilen als Ergänzung zu den obigen.

 

Grundsätzlich war ich immer und bin auch noch gegen die Reform, um das gleich vorweg zu schicken.  Die Abneigung hat nichts damit zu tun, dass über uns die Gefahr schwebt, durchs Sieb zu fallen und abzusteigen. Die Begründung ist für mich vor allem, dass ich keinen Grund FÜR die Reform sehe. Es gab und gibt zwei wesentliche, die angeführt wurden: das Haupt-Argument ist die Stärkung der Ligen, zur Entfernungs-Arithmetik verweise ich auf Hajos Ausführungen. Wie man je eine Gleichverteilung mit einem Ballungsraum im Südosten mit acht oder neun Vereinen auf der einen Seite und weit verstreuten Mannschaften auf der anderen Seite ernsthaft in Erwägung hat ziehen können, ist mir schleierhaft. Und dass die VL-Mannschaften, die nun zusätzlich absteigen müssen, Fahrtkosten sparen, mag sicher so sein, aber wenn diese Mannschaften diesen Vorteil dem Nutzen, in der VL spielen zu dürfen, vorziehen würden, hätten sie ja längst den VL-Platz freiwillig zurückgegeben.

 

"Stärkung der Ligen" ist ein harter Schlag für die Gegner der Reform, denn das Argument beinhaltet Stärkung der Landesliga UND Stärkung der Verbandsligen UND Stärkung der Bezirksligen. Fangen wir oben an : es müssen so nicht mehr drei Mannschaften aus der LL absteigen (weil der Unterbau aus drei VL's besteht), insofern wird die LL gestärkt. Für mich ein belangloses Argument: in meiner Optimallösung gibt es drei VL's, und zwei Absteiger aus der LL. Mehr dazu weiter unten.

 

Die Verbandsligen seien zu schwach, es gäbe einige Mannschaften , die dort leistungsmäßig nicht hingehören (man möchte Kanonenfutter aussieben). Hajo hat es oben beschrieben (und das ist absolut unstrittig), dass die VL Ost die stärkste Staffel ist. Dort gibt es eine große Leistungsdichte, kaum "Kanonenfutter" in Sicht. Gemeint sind also andere Staffeln, nehmen wir mal unsere. Gäbe es die Reform nicht, wäre Neumünster nicht abgestiegen.  Und das war eine Mannschaft mit vielen jungen aufstrebenden Spielern, die durchaus gut mitgespielt haben. In keinem Fall waren sie Kanonenfutter, und sie haben das Niveau nicht verwässert. Das Argument, zu schwache Mannschaften würden dem Niveau schaden, kann ich sachlich folgen, aber da ich kein griffiges Beispiel finden kann, vermag ich es nicht gelten zu lassen. Den Leistungsunterschied zwischen VL Ost und den anderen (bzw. ab sofort der anderen) VL ('s) könnte man sehr leicht dadurch in den Griff bekommen, dass man grundsätzlich einen Aufsteiger aus der VL Ost nimmt, und Nord/Mitte spielen den anderen aus (und das passt dann zu den zwei Absteigern aus der LL). Die Aufstiegs-Bevorzugung der Ost-Staffel wäre dann ähnlich wie es jetzt mit der Ligenaufteilung versucht wird, allerdings ohne die erheblichen Nachteile. Allerdings : für die Staffeln Mitte/Nord (wie bisher) reicht der 1.Platz nicht zum Aufstieg, sondern es muss noch ein Stichkampf her. Insofern ist der Hajo-sche Vorschlag (2+1+1 Aufsteiger) besser, mit auch genau einem Nachteil: eine Zeitlang gäbe es aus der LL vier Absteiger.

 

Die Bezirksligen würden gestärkt durch die Reform. Vordergründig wird der sportliche Wert natürlich größer (wenn die eine andere Mannschaft zusätzlich aus der VL hinzukommt), aber vielleicht nutzt auch hier die Sicht auf unsere, die Bezirksliga West. Quickborn II hat diese Saison auf den Aufstieg verzichtet, statt dessen hat Elmshorn II/III den Aufstieg wahrgenommen. Und wer soll in der nächsten Saison aufsteigen? Burg ? Freiwillig zurückgezogen Anfang dieser Saison. Und sonst? Wer auch immer... diese Mannschaft wird erheblich schwächer sein als die Mannschaften in der Verbandsliga, ganz erheblich. Bin gespannt, wer sich traut. Die VL ist ab sofort leistungsmäßig so weit weg von der BL, dass ein Aufstieg für die meisten Vereine nicht in Frage kommt. Durch die VL-Reform wird die BL (zumindest unsere) eindeutig geschwächt, nicht gestärkt.

 

Ich bin gegen die Reform, ob nun die Vereine angemessen aufgeteilt werden oder nicht. Wenn aber schon die Reform, dann bitte nicht mit dieser Aufteilung.

Man hört, die Spielkommission tagt. Drücken wir ihr die Daumen, in ihrem und in unserem Sinne.

 

Egbert Hengst