VL A Runde 2: Klarer Sieg bei Wrist-Kellinghusen

Wir haben von den Wristern schon einiges erlebt, was Mannschaftsaufstellungen betrifft. In deren Reihen sind mehrere Spieler, die nur sehr sporadisch am Brett zu finden sind. In der vorletzten Saison fand sich gegen uns alles, was Rang und Namen hatte ein, und wir verloren - einigermaßen kläglich. Am Ende war Wrist Letzter und stieg ab in die Bezirksliga, wir stiegen mit genau dieser einen Niederlage auf in die Landesliga. Nun trifft man sich erneut in der Verbandsliga. Wir stiegen ab, währen die Wrister als Vierter (Itzehoe II, Heide und Elmshorn II verzichteten auf den Aufstieg) der Bezirksliga West den Aufstieg in die Verbandsliga wahrnahmen. Im Vorwege wurde darüber diskutiert, von welchen Kontinenten die Wrister diesmal Spieler einfliegen lassen würden. Es kam dann aber ganz anders. Während wir nur auf Wolfgang (für den Kalle einsprang) verzichten mussten, fehlten bei Wrist die ersten drei der Setzliste, von den ersten neun gleich sechs. Unter diesen Vorzeichen waren wir klarer Favorit; gerade an den hinteren Brettern gab es DWZ-Unterschiede von teilweise mehr als 400 Punkten.

Aber nach etwa einer Stunde war überhaupt nichts klar. Cliff hatte gegen Michael Kordts eine giftige Nebenvariante ausgepackt, und war auf Bauernraub. Michael zeigte sich aber auf der Höhe und bekam ordentlich Gegenspiel gegen die verstreut im schwarzen Lager befindlichen weißen Figuren. Frank stand gegen Jürgen Manthey einen Hauch schlechter, fand ich. Allerdings war das nichts existentielles; die weiße Stellung ließ sich etwas angenehmer spielen.

Sören stand ganz gut gegen Börge Koop, befand sich noch dazu in einer Stellung, die seinem Naturell entgegen kam. Bei Sven war seltsames passiert. Nach der Eröffnung fehlten alle Zentralbauern und die Damen, und sein Gegner Andreas Schott hatte mit weiß zwei Mehrtempi. Erst mal den Laden zusammen halten war da wohl angesagt.

Hauke bekam als weißer gegen Andreas Thomas eine Nebenvariante eines Gambits vorgesetzt - so was hat man auch nicht alle Tage. Mehrbauer gegen Aktivität... ich hätte lieber Haukes Stellung gehabt, aber das ist Geschmackssache. Andreas hatte gegen Olaf Schmidt recht schnell Ausgleich. Aus einem scheinbar zähen Spiel kam zügig Bewegung in die Sache, und es entstand eine sehr offene Stellung mit allen Möglichkeiten, durch besseres Manövrieren in Vorteil zu gelangen.

Ich hatte es mit Mikhail Veressov zu tun. Ein gutes Stück ist seine DWZ niedriger als meine, aber wenn man sieht, dass er in der ersten Runde ebenfalls einen deutlich besser eingestuften Gegner besiegen konnte... Vorsicht also. Mein Gegner ging gleich auf mich los, musste dann aber bald den Rückzug antreten, mit üblen Bauernschwächen dazu. Mir machte etwas Kummer, dass beide Springer meines Gegners und auch noch ein Läufer auf dem schönen Zentralfeld d4 Platz nehmen konnten, jeweils mit unangenehmen Drohungen. Kalles Gegner Joachim Schmidt bastelte zunächst einen Stonewall, und kam aus einem heiteren Himmel mit einem Schachgebot um die Ecke. Kalle hatte nach der folgenden Abwicklung zwei Bauern und eine Qualität weniger, mit gewissen Chancen, den Läufer in der Ecke zu fangen.

Für mich war das alles recht unklar, und da mein Gegner ab einem bestimmten Punkt a tempo zog, konnte ich den anderen Partien nur noch bedingt folgen. Was ich dann mitbekam, war dass Andreas Gegner aufgab. Irgend ein Malheur auf der Grundreihe meinte ich erkannt zu haben, aber ganz sicher bin ich da nicht. Auch bei Kalle war es gut gelaufen. Zunächst gewann er den gegnerischen Läufer in der Ecke, und fraß sich dann auf den furchtbar schwachen weißen Feldern im weißen Lager zum gegnerischen König durch. Noch spät hatte er nur zwei Leichtfiguren für Turm und drei Bauern, aber da sich diese nicht bewegten, und Kalle immer weiter vorwärts kam, wirkte der Sieg eindeutig.

In der Zwischenzeit hatte auch Sören gewonnen, und Frank sowie Cliff, Sven und Hauke remisiert. Nur ich spielte noch beim Stand von 5:2.

Mein Gegner machte einige Fehler, und ich kam zu großem Materialvorteil. Einige Bauern und ein Springer mehr reichen vermutlich. Mein Gegner ließ es sich aber zeigen, und brachte mich in eine Situation, in der ich Damentausch erzwingen konnte mit einfach gewonnenem Endspiel, Mattangriff mit einem Springerschach beginnend, Überleitung in ein Bauernendspiel mit fünf Mehrbauern, oder Mattangriff mit einem Springeropfer beginnend. Ich verbriet über die Hälfte meiner Restbedenkzeit, weil ich mir sicher war, dass irgend eine dieser zahllosen Möglichkeiten einen Fehler beinhaltete. Also den kürzesten Weg zum Sieg: Springeropfer und matt. Noch vor 13 Uhr waren wir fertig.

Noch vor dem Wettkampf war uns nicht klar, mit welchen Ambitionen die Wrister diesen Spieltag und die Saison insgesamt angehen würde. In der Setzliste sind sie vor uns, aber bei so vielen Ausfällen ist an Aufstiegschancen nicht zu denken.

Für uns sieht das schon anders aus. Wir haben einen (vermeintlichen) Konkurrenten um den Aufstieg bezwungen und deutlich distanziert. Nach Lage der Dinge gibt es nur noch drei Aufstiegskandidaten (man sehe mir nach, dass ich die verlustpunktfreien Glückstädter hier noch nicht sehe): Elmshorn, Agon II und uns. Der Spielplan wollte es, dass am nächsten Spieltag Neumünster bei uns spielt. Agon ist uns sicher bei Bestbesetzung überlegen, aber wir brauchen uns keineswegs zu verstecken, und werden versuchen, verlustpunktfrei ins neue Jahr zu rutschen.

 

Egbert Hengst